Reisen et Cannelés Bordelais

Frankreich… das Land, das das demokratische Europa, das für uns heute so selbstverständlich geworden ist (ist es das wirklich noch?), eingeläutet hat. Frankreich: unser Nachbar, unser alter Freund (mit dem es auch schon den einen oder anderen Krach gab), unser kulinarisches Vorbild, unser allsommerlicher Zufluchtsort. Was ist Frankreich für uns? Wir lieben Französischen Käse, wir trinken Französischen Wein, wir lesen Französische Autoren und schauen uns Französische Filme an, wir sehnen uns nach Französischer Liebe und wir plagen uns seit Jahren mit der Französischen Sprache herum – wirklich nach Frankreich fahren, müssen wir dafür jedoch schon lange nicht mehr. Frankreich gehört, wie fast jedes andere Europäische Land auch, inzwischen in vielen Bereichen zu Deutschland dazu.

Die Möglichkeiten, die ein offenes Europa uns allen eröffnet, sind fast alle positiv und man will sie um nichts mehr missen. Jedoch bringt diese „Gewohnheit“ des Umgangs mit den Nachbarn auch einen kleinen Nachteil mit sich: wir stumpfen ab. Wir sind nicht mehr überwältigt, nicht mehr aufgeregt, wenn wir die Grenzen überqueren. Wir haben unsere Aufmerksamkeit und unser Interesse für die anderen Europäischen Länder – wie für so vieles andere auch – verloren. Für die meisten von uns ist es Routine geworden, Deutschland regelmäßig zu verlassen. Wir suchen in den anderen Ländern das eh schon Bekannte, um uns nicht unangenehmen Situationen auszusetzen. Zum Glück muss man, um diesem Konzentrationsverlust entgegenzuwirken, nicht wieder  damit anfangen, Grenzen schließen und Abschottung betreiben. Alles, was man braucht, ist die zurückkehrende Bereitschaft zur unvoreingenommenen Wahrnehmung. Die Bereitschaft dazu, sich auch mal zum Idioten zu machen. Die Bereitschaft, den anderen auch mal zu zeigen, dass man keine Ahnung hat. Denn damit gibt man ihnen die Möglichkeit, einen an die Hand zu nehmen und überlässt Ihnen wieder die Kontrolle ueber das, was man am Ende von ihnen denkt. Ganz ohne Vergleiche.

Frankreich ist altbekannt und uns allen irgendwie vertraut. Gleichzeitig wird es von uns tagtäglich verklärt und ersehnt.  Doch was genau ist eigentlich Frankreich und vor allem, was unterscheidet es von Deutschland? Ist Frankreich, sind die anderen Europäischen Nachbarn, inzwischen nicht zu etwas geworden, in das wir  fast nur noch uns selber hinein projizieren? In Italien Nudeln essen und von flirtenden, schwarzhaarigen Männern mit „Ciao Bella“ begrüßt werden. In Frankreich Rotwein trinken und einem verliebten Paar beim spontanen, innigen Kuss mitten auf der Straßenkreuzung zuschauen. In Holland aufs Fahrrad steigen und  mit Holzschuhen an den Füßen Gouda kaufen fahren. Sich in Österreich der Lebenslust hingeben und dem fast schon putzigen Geplaudere der Skilehrer lauschen, während man einen Almdudler schlürft. In Spanien von der feurigen Mentalität schwarzer Augen angesteckt werden und dabei definitiv zu viele Tapas essen. In Belgien knusprige Pommes genießen und durch Flämische Sprachfetzen immer mal wieder daran erinnert werden, dass man sich ja gerade gar nicht in Frankreich befindet – vergisst man aber auch so schnell.

Wir neigen inzwischen dazu, Europa als homogene Masse zu sehen und da wir auf der einen Seite jeden Tag mit diversen Kulturen in den unterschiedlichsten Zusammenhängen in Kontakt kommen, vergessen wir auf der anderen Seite manchmal, dass es  trotzdem noch wichtig bleibt oder sogar immer wichtiger wird, sich weiterhin reflektiert mit diesen Kulturen auseinanderzusetzen. Doch wann tun wir das schon noch wirklich? Im Urlaub? Sicher nicht, denn wir bewegen uns dann meist nur als Touristen am privilegierten Rand der Gesellschaften und sehen das Meiste gar nicht, da es uns erstens nicht gezeigt wird und wir es zweitens auch gar nicht wirklich sehen wollen. Wir wollen bespaßt werden, wir wollen aufgetischt bekommen, was wir von zuhause eh schon kennen – nur eben ein bisschen „authentischer“. Wir müssen in anderen Ländern leben, wirklich leben, um sie besser kennenzulernen. Und wie oft machen wir das schon noch? Wir sehen Reisen als etwas Selbstverständliches an und wir sind enttäuscht, wenn die Pasta auf Sizilien nicht so schmeckt, wie bei unserem Lieblingsitaliener in Grevenbroich. Reisen ist nicht mehr der Weg, das Erlebnis. Reisen ist nur noch die Zeitspanne, die wir wo anders verbringen, um am Ende zurückzukommen und Fotos vorlegen zu können und dabei zufrieden zu grinsen: „War genau so toll, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Wir wenden unseren Blick nicht mehr nach Außen, wenn wir Grenzen überqueren, sind nicht mehr begierig, Neues und Unbekanntes aufzusaugen, sondern schauen eigentlich die ganze Zeit nur zurück in die Heimat – um zu vergleichen. Baguette und Camembert kennt man ja schon gut. Mal schauen, ob es in Paris genauso  gut schmeckt.

Ich bin jetzt nun schon seit drei Wochen in Bordeaux. Eine Woche steht mir noch bevor und ich finde, es ist an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Ich könnte viel über Frankreich, über Bordeaux selber schreiben. Ich habe lange überlegt, bin dann jedoch zu dem Schluss gekommen, dass ich das Kennenlernen von Bordeaux und Frankreich jedem selbst überlassen will. Ich möchte nicht noch mehr „Erwartungen“ hinzufügen, ich möchte dazu aufrufen, die Augen selber zu öffnen. Wir sind schon lange zu bequem geworden. Wir sind so privilegiert. Wir können Reisen, wohin wir wollen. Wir können so viele Grenzen überqueren, ohne dass wir es überhaupt noch wirklich mitbekommen. Und was hat das bewirkt? Wir richten unseren Blick wieder zunehmend auf uns selber, nehmen unsere bekannte Umgebung wieder als Maßstab, an dem wir alles andere messen. „Zuhause ist es ja doch schon am besten“ und „Ist ja alles schön und gut, aber unseren Rotwein trinke ich trotzdem lieber.“ Wir laufen in Gefahr, Erwartungen an unsere Nachbarn, an den Rest der Welt, zu stellen und somit Enttäuschungen vorzuprogrammieren. Und Enttäuschungen sind immer brandgefährlich. Niemand will es einem absprechen, Zuhause am glücklichsten zu sein, nur weil man mal für ein paar Wochen vergessen muss, wie es Zuhause eigentlich war. Ganz im Gegenteil. Man wird wahrscheinlich überhaupt erst merken, was man Zuhause hat, wenn man es mal für ein Zeit aus dem Gedächtnis löscht.

IMG_0986Man lernt kein Land kennen, indem man sich „Zuhause“ darauf vorbereitet und dann im besagten Land selber nur eine Liste von Sehenswürdigkeiten abklappert, vor denen man dann ein Foto schießen kann. „Schau mal, da war ich auch schon.“ Man lernt ein Land nur kennen, wenn man unvoreingenommen hinfährt und, zumindest für eine kurze Zeit, alle Meinungen, die man sich vorher (es wär eine Lüge zu sagen, dass es diese Meinung nicht immer gibt) über Land und Leute gemacht hat, ablegt. Mein Erfolgsrezept ist folgendes: rausgehen, sich ein Buch mitnehmen, sich treiben lassen und immer wieder innehalten – sich in ein Café oder auf einen Platz setzen und zuhören, zuschauen und den „fremden“ Menschen erlauben, das Bild, das wir von ihnen wieder mit nach Hause nehmen, selber zu prägen.

©Luisolo

Cannelés Bordelais

Ein bisschen neidisch bin ich, dass Luisolo zur Zeit in Frankreich verweilt. Das mag daran liegen, dass sie in Bordeaux zu jedem Frühstück, am Nachmittag oder meinetwegen auch abends als Dessert eine meiner absoluten Lieblingssüßigkeiten verspeisen kann. Die kleinen Cannelés stammen nämlich dort aus der Gegend. Sie sehen erstmal etwas unspektakulär aus, aber haben das Potenzial, süchtig zu machen: Außen richtig schön knusprig karamellisiert und innen ein saftiger, puddingartiger Teig  – ach, ich hab schon viel zu lange kein Cannelé mehr gegessen!

Zum selber machen braucht man kleine Kupferformen, damit die Cannelés schön dunkel und kross von außen werden. Diese gibt es in verschiedenen Größen, ich persönlich mag die etwas größeren Cannelés am liebsten, weil sie noch saftiger innen sind. Mein Vater schenkte mir letztens allerdings eine Silikonform, die Metallpulver im Silikon verarbeitet hat (von deBuyer), die tatsächlich genau so gut funktioniert wie die klassischen Förmchen.

Schwierigkeitsstufe: 1 von 3

500ml Milch
1 Vanilleschote
6 Eigelb
250g Zucker
120g Mehl
60g Butter
40ml Rum

Der Teig sollte am Vortag zubereitet und über Nacht kalt gestellt werden. Die Vanilleschote längs halbieren und das Mark auskratzen. Schote und Mark mit der Milch in einen Topf geben und aufkochen. Die Schote wieder entfernen. Die Butter in einem Topf schmelzen. Die Eigelb mit dem Zucker cremig verrühren, das Mehl dazu mischen. Die heiße Milch nach und nach dazu gießen. Als letztes Butter und Rum unterrühren. Den Teig mit Frischhaltefolie abdecken und in den Kühlschrank stellen.

Am nächsten Tag den Ofen auf 200°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Die Formen gut fetten und sie zu 3/4 mit dem Teig füllen. Im Ofen für circa 1 Stunde backen ( das ist natürlich abhängig davon, für welche Größe ihr euch entschieden habt). Die Cannelés sollten sich einfach aus der Form lösen lassen. Am Besten schmecken sie abgekühlt aber ganz frisch noch am selben Tag!

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©Anussis

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