Anussis hat Post!

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meine erste Woche in Bordeaux neigt sich dem Ende zu und ich finde es ist an der Zeit, dir ein paar Zeilen zukommen zu lassen. Wie du ja weißt, bin ich seit letztem Sonntag in Frankreich, um mein eher dürftiges Französisch (nach Jahren des Verdrängens meiner Unfähigkeit) endlich aufzubessern. Ich kann gar nicht glauben, dass meine erste Woche nun schon hinter mir liegt. Bordeaux ist eine tolle Stadt und ich fühle mich sehr, sehr wohl hier. Dazu trägt sicher auch das fabelhafte Wetter (Sonne und mindestens 25°C), das köstliche Essen (Luisolo wird wohl nach Deutschland zurückrollen) und die wunderschöne Architektur (ich fühle mich, als wäre ich in den Film Chocolat hineingefallen) bei.  Unter der Woche bin ich immer Vormittags, Montags und Dienstags auch Nachmittags, in einer Sprachschule im Zentrum von Bordeaux. Nicht unbedingt zu Gunsten meines Egos, wurde ich anfangs erstmal in den A1 Kurs gesteckt, was nach 5 Jahren Französisch in der Schule so far beyond tragisch ist, dass ich herzlich  drüber lachen konnte. Zum Glück kommt das, was man einmal gelernt hat, schnell zurück, wenn man sich den ganzen Tag damit beschäftigt und so wurde ich schon nach zwei Tagen in den A2 Kurs hochgestuft. Zwar ist das immer noch nicht besonders ruhmreich, lindert jedoch ein bisschen die Zweifel an meinem Verstand und meinen Fähigkeiten und mildert das Gefühl der Überflüssigkeit meiner durch Hormone vernebelten Teenager-Jahre. Wie du ja auch weißt, war ich in der Schule sowieso nie wirklich gut in Französisch und da ich früher einfach nicht die Motivation hatte, besser zu werden (shame on you pubertierende, ambitionslose Luise), weiß ich zumindest, woran es liegt und bin fest davon überzeugt, dass ich jetzt mit der richtigen Einstellung am Ende auch noch den B1 Kurs erreichen kann (trauriges Ziel). Mein Ehrgeiz ist auf jeden Fall geweckt. 

IMG_0978Ich wohne bei einer Gastfamilie, die sehr nett ist. Die Mutter spricht ein kleines bisschen Englisch, aber mit ihr rede ich hauptsächlich Französisch – das heißt sie redet, ich höre zu und verstehe fast alles. Betonung liegt auf dem sehr, sehr großzügigen fast. Es gibt drei Töchter, von denen jedoch nur noch eine Zuhause lebt – oder besser, wieder Zuhause lebt. Sie ist genauso alt wie ich und hat, als sie 17 war, ein Jahr in Dublin gelebt und dort die Französische Schule besucht (Ich weiß, was du denkst – ja, die Iren und alles, was mit ihnen zu tun hat, verfolgen mich). Dadurch spricht sie sehr gut Englisch und wir können uns somit unterhalten, ohne uns auf das Niveau von Fünfjährigen (also dem der Donald Trumps dieser Welt) zu begeben. Das ist für mein Französisch sicher nicht unbedingt förderlich, für mein Ego und meinen (zugegebenermaßen oft sehr kleinen) sozialen Trieb jedoch lebensrettend. Es wohnt auch noch ein Japaner hier in der Gastfamilie, der ohne ein Wort Französisch zu sprechen hergekommen ist. Er ist sehr nett, aber konzentriert sich aufs Lernen und ich sehe ihn eigentlich nur bei den gemeinsamen Abendessen. Apropos Essen – Luisolo lebt im Himmel. Jeden Abend wird vorzüglich für mich gekocht und abschließend kann ich mir den Bauch mit Käse vollschlagen, was ich auch mit großem Vergnügen tue. Mittags gehe ich entweder essen (genauso lecker) oder kaufe mir Baguette und Pâté und/oder Cannelés und auch die ein oder andere Flasche Wein wurde schon geköpft. 

Und da wären wir auch schon beim nächsten Thema. In der Schule habe ich (natürlich) auch direkt die übliche, Deutsch sprechende Gruppe gefunden.  Aber – und darauf bin ich sehr stolz – sie kommen nicht aus Deutschland. Ganz international kommt einer aus Österreich, einer aus der Schweiz (ist aber in Deutschland aufgewachsen, keine Sorge 😉 ) und einer aus Liechtenstein. Oui, Liechtenstein. Exotisch, oder? Mit den Jungs habe ich bisher meistens Mittags was gemacht und wir waren auch Freitag Abend zusammen unterwegs. Es ist jedoch schwer, das Sprache lernen, meine alteingesessene Faulheit und die Zeit, die ich immer für mich alleine brauche, mit neuen Kontakten unter einen Hut zu bringen. Ich gebe jedoch mein Bestes. Ich fürchte, ich werde immer sozialfauler und muss dagegen regelrecht ankämpfen. Darum ist es auch sehr schön „Zuhause“ jemanden zu haben, mit dem ich mich super verstehe und der in meinem Alter ist. Es ist angenehm mit meiner Gastschwester Zeit zu verbringen, weil sich das perfekt mit meinem Drang, möglichst oft in der Nähe meines Bettes zu bleiben, verbinden lässt. Heute waren wir zusammen in Bordeaux unterwegs und haben vorzüglich in einem kleinen Café gegessen und heute Abend werden wir eine Supernatural-Night machen – yes I know, glückliches Luisolo hat eine Gastschwester, die nicht nur mal in Dublin gelebt hat und somit meine Liebe zu Irland teilt, sondern auch noch Serien liebt, unter anderem Supernatural, meinen absoluten Favoriten (ich habe übrigens den langen Kampf gegen mein Gewissen und meine Ambitionen gewonnen und mir Netflix angeschafft. Ich weiß… sag nichts). Wir wollen jetzt zu Carrefour gehen und uns mit deliziösen französischen Snacks eindecken, damit unser Date mit Dean nicht nur ein Augen-, sondern auch ein Gaumenschmaus wird.

Ich hoffe, dir geht es gut und ich erhalte vielleicht bald auch mal einen „Brief“ von dir? Bis dahin verbleibe ich wis love und wünsche dir natürlich always se luck of si Irish,

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