O Canada! und Pancakes mit Ahornsirup

Denkt man bei uns in Europa an Nordamerika, denkt man fast automatisch in Superlativen. Unendliche Weiten, die höchsten Berge, tiefsten Schluchten, größten Hochhäuser, gewaltigsten Bäume, massivsten Burger und dicksten Autos (und wenn man an die USA denkt, auch die dicksten Menschen). Bei Kanada kommt dann noch dazu: die nettesten Menschen, das coolste Staatsoberhaupt und die toleranteste Gesellschaft. Sind das alles nur Vorurteile?

Die letzten zwei Wochen war ich in Kanada. Meine Cousine und beste Freundin lebt momentan in Vancouver, wo ich sie besucht habe. Vancouver ist eine angenehme, aber insgesamt doch recht gesichtslose Stadt. Was sie schön macht, ist die Natur, in die sie eingebettet ist. Wo sonst auf der Welt kann man am Strand liegen und dabei seinen Blick auf schneebedeckte Berge richten? Städte am Wasser sind meistens schöner als Städte im Inland. Davon profitiert auch Vancouver. Überall in der Stadt, zwischen den Hochhäuserschluchten, weht ein angenehmer Wind, der meist nach Meer duftet. Hoch oben über den Straßen fliegen Möwen umher, deren markanter Schrei einem das Gefühl gibt, man sei in Frankreich am Meer. Wassertaxis und die vielen Stadtstrände mit idyllischem Ausblick unterstützen dieses maritime Lebensgefühl und ermöglichen es einem, für ein paar Stunden der Großstadt zu entfliehen, um danach wieder in ihr unterzutauchen – und leider auch unterzugehen.

Doch man kommt trotz aller maritimer Gelöstheit, die einen seltsamerweise in dieser  in Rastern geplanten Betonstadt überkommt, nicht umhin, mehr als einmal am Tag angesichts der monströsen Autos, riesigen Portionen oder übertriebenen Freundlichkeiten, die auf einen einströmen, mit offenem Mund innezuhalten und sich zu fragen: wo bin ich hier eigentlich gelandet? Man kann sich nicht vorstellen, dass so viele Menschen regelmäßig so große Dinge zu transportieren haben, wie Pick-ups in den Straßen umher fahren. Man versteht nicht, wieso nicht jeder einzelne Mensch, den man sieht, 400 Kilogramm wiegt, angesichts der in der Regel vor Fett triefenden Riesen-Portionen, die einem in den Restaurants auf den Tisch gestellt werden. Und zuletzt, man kommt nicht dahinter, wieso man noch niemanden hat ausrasten sehen, angesichts der ermüdenden, überall aufdringlichen und am Ende doch so leeren und zu überschwänglichen Freundlichkeiten, mit denen man sogar konfrontiert wird, wenn man sich nur schnell eine Flasche Wasser an der Ecke kauft.

Alles ist „awesome“, „excellent“ und „amazing“ und wenn irgendwas nicht noch durch „very much“ oder „totally“ ergänzt wird, hat man direkt das Gefühl, jemand hat ein Problem mit einem. Statt nur guten Tag zu sagen, wird die Begrüßung überall durch ein „How are you doing today?“ ergänzt, das mit einem zuckersüßen Lächeln vorgetragen wird, jedoch keinesfalls zu einem kurzen, höflichen Smalltalk an der Ladenkasse oder mit dem Kellner führt – was ich, je nach Stimmung, durchaus positiv finde (siehe das Rheinland) –, sondern in der unangenehmen Stille nach der viel zu ausführlichen Antwort, die man anfangs noch gibt, endet. Nach ein paar Tagen hat man den Dreh raus, wird seinem Ruf als muffeliger, humorloser Deutscher gerecht und gibt höchstens noch ein kurzes „fine“ zurück, was zu einer ebenso unangenehmen Stille führt.

Es kann ja durchaus sein, dass Menschen, die mit diesen Oberflächlichkeiten aufwachsen, generell positiver gestimmt sind und mit der Leere dieser Phrasen keine Probleme haben, jedoch bezweifle ich, dass es für die persönliche Entwicklung gut ist, wenn man von Anfang an lernt, im öffentlichen Raum fast ausschließlich durch inhaltsfreie, antrainierte Sätze zu kommunizieren, denen sowieso niemand mehr bewusst zuhört. Man muss nicht gleich so unfreundlich sein wie die Bayern (perfekt platzierter Seitenhieb), jedoch ziehe ich es definitiv vor, wenn der freundliche Smalltalk, der sich ab und zu an Ladentheken und in Restaurants entwickelt, in dem Moment auch wirklich von beiden Seiten gewollt wird, anstatt dass er nur Bestandteil eines überfreundlichen Miteinanderrituals ist, das dann am Ende eigentlich doch gar nichts bedeutet. Die Betonung liegt dabei auch noch auf „ab und zu“, denn wer hat schon Lust, sich jeden Tag, überall und mit jedem konzentriert zu unterhalten.

Wenn aber alle immer und überall freundlich und überschwänglich sind, dabei jedoch nie Unterschiede machen und eigentlich nie ehrlich sind, sondern nur einem erlernten Schema folgen, verschiebt sich über kurz oder lang die Bewertung des Miteinanders, wie hier in Kanada (und auch den USA), und es gibt irgendwann nur noch freundlich, hyperfreundlich und total von dir begeistert, was den eigentlichen, interessanten Austausch untereinander abschwächt oder fast unmöglich macht, da jeder, mit dem man redet, sich einfach einreiht in die Masse der ganzen anderen, echt netten Leute, die freundlich zu einem waren. (Ich musste ein bisschen an Orwells 1984 und die Newspeak denken. Wenn man nur noch „good“ and „ungood“ kennt, kann man nichts mehr als „bad“ empfinden, „good“ verliert dabei dann jedoch auch seinen Wert – alles wird gleichgeschaltet und differenzierte Meinungen und Bewertungen werden unmöglich.) Wie soll man Interesse an neuen Menschen entwickeln, wenn man nicht ab und zu eine harte Nuss zu knacken hat oder mal jemand heraussticht durch seine freundliche, interessierte, zuvorkommende Art, die so anders ist, als die der letzten 10 Menschen, mit denen man geredet hat?

IMG_0974.PNGAbschließen möchte ich diesen Beitrag jedoch mit Kanadas (wunder)schönen Seiten: Ein langes Wochenende waren wir auf Vanouver Island in Ucluelet, in der Nähe von Tofino. Dort hat sich das, was in Vancouver unangenehm war, umgekehrt. In Vancouver ist man ein kleiner Teil der Masse geworden und das war kein gutes Gefühl: Jeder war gleich nett zu einem, alle Hochhäuser sahen gleich aus, die Straßen waren gesäumt vom immer gleichen Kunstrasen und alle haben sich, bis auf die eingeimpften, hohlen Konversationen, so gut es geht ignoriert. Das Großstadtsyndrom: alle leben vor sich hin und aneinander vorbei, gehen in den Menschenmassen unter und werden dabei trotzdem ständig damit konfrontiert (Werbung, Filme, Schaufenster etc.), dass sie individuell sein müssen, dass sie sich selbst optimieren müssen, dass sie selber „Schuld“ daran sind, dass sie nicht hervorstechen. Die Natur auf Vancouver Island hingegen war so überwältigend, so beeindruckend, unberührt und IMG_0972endlos, dass man sich ebenfalls klein und austauschbar vorkam, dabei aber das angenehme Gefühl hatte, dass einem die Last des eigenen Lebens, das sonst jede Sekunde alles bestimmend auf den Schultern lastet, abgenommen wird. Im Angesicht solch einer Natur, konfrontiert mit 1600 Jahre alten Bäumen und 30 Tonnen schweren Walen, kann man das eigene Scheitern oder den eigenen Erfolg im Leben gar nicht mehr allzu Ernst nehmen. Die Welt wird sich weiter drehen, auch wenn ich einzelner, kleiner,IMG_0971 unbedeutender Mensch meine verschwindend wenigen Jahre auf diesem Planeten nicht richtig nutze. Mache ich jedoch was aus diesen wenigen, im Gesamtbild unbedeutenden Jahren, ist es umso bedeutender und besonderer.  Dieses Bewusstsein nimmt einem den Druck und lässt einen, auch wenn man das vielleicht erstmal nicht denken würde, viel motivierter und dankbarer nach vorne schauen. Alleine, dass ich da bin, in dieser wunderschönen Welt eine Möglichkeit bekomme, alles kennenzulernen und eventuell meinen winzigen Beitrag zu leisten, ist ein großes Geschenk. Ich strebe nach diesem Erlebnis weiterhin alle meine Ziele im Leben an, dies tue ich nun aber viel entspannter und gelöster, denn wenn ich scheitre, gibt es immer noch die Möglichkeit, irgendwo in die Natur zu ziehen und das Dasein zu genießen. Das habe ich aus Kanada mitgenommen – insgesamt war es also eine tolle und prägende Reise.

P.S.: Ahorn fand die Reise auch toll! Er konnte seiner Herkunft ein bisschen auf den Grund gehen, schließlich kam seine Mama aus Kanada. Jetzt müssen wir nur noch nach Island, in das Land von Ahorns Vater. Aber die Reise machen wir dann zu dritt!

©Luisolo

Pancakes with maple syrup 

Anussis ist die letzten Wochen daheim in München geblieben, hat aber dennoch versucht, sich gedanklich an den Frühstückstisch in Vancouver zu zaubern. Was ist dabei rausgekommen? Ahornsirup! Auf jeden Fall eine Menge Ahornsirup ( alleine schon wegen Ahorn muss dieses Sirup vorkommen! ). Und wozu am Besten, wenn nicht ganz klassisch zu einem Haufen Pancakes!

Für 2 Personen (oder eine, wenn es sich um ein verfressenes Anussis handelt) ; Schwierigkeitsstufe: 1 von 3

150g Mehl
1/2 TL Backpulver
1 Prise Salz
200ml Buttermilch
3 Eier
bisschen Butter

Dazu: 1 Flasche Ahornsirup, 2 Hände voll Beeren und wer mag auch noch ein paar Scheiben Frühstücksspeck

Das Mehl sieben und mit dem Backpulver und Salz vermischen. Die Eier trennen und die Eigelb mit der Buttermilch vermischen. Beides nach und nach unter das Mehl rühren. Das Eiweiß aufschlagen und vorsichtig unter die Mischung heben. In einer Pfanne bei mittlerer Hitze die Pancakes in ein wenig Butter ausbacken. Der Teig sollte für 8 Pancakes reichen.

Zum Servieren einfach stapeln, mit Ahornsirup übergießen, Beeren und Speck drüber streuen und fertig ist ein super Frühstück, das nur so „O Canada!“ schreit.

©Anussis

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