Ewiges Talent und Bananen-Brot

Eigentlich glaubt jeder daran, dass er etwas kann. Die meisten glauben wahrscheinlich sogar, dass sie eine bestimmte Sache besonders gut und/oder besser als alle anderen können. Ob sich diese Wahrnehmung dann auch mit der Realität deckt, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Sicher gibt es Leute, die denken, dass sie nichts können und die  eigentlich unglaublich talentiert sind. Dann gibt es die, die meinen, besonders talentiert zu sein und in Wahrheit gar nichts können und andere, die meinen, etwas sehr gut zu können und dies auch wirklich tun, jedoch erkennt es der Rest der Menschheit gar nicht oder erst viel zu spät.

Es gibt aber auch die wenigen Privilegierten, die meinen, etwas gut zu können, dies dann auch wirklich tun und alle anderen sehen es genauso. Leider ist dieser Vorteil, der am Ende wohl nur wenigen zuteil wird, nicht unbedingt eine Absicherung für bevorstehenden Erfolg. Zwar glaube ich, dass die, die wirklich, wirklich talentiert sind, irgendwann auf jeden Fall wahrgenommen werden, ob dies jedoch schon mit 20 passiert, erst mit 60, 2 Jahre vor dem Tod oder gar 20 Jahre nach dem Sterben, kann man vorher nie sagen. Somit bringt das Privileg, talentiert zu sein, es zu wissen und von den anderen sogar bestätigt zu bekommen, auch eine schwere Bürde mit sich: Kann man den Ansprüchen, die man an sich selber stellt, jemals gerecht werden? Und vor allem: kann man die Erwartungen, die alle anderen an einen haben, jemals erfüllen? Oder wird man das Ewige Talent bleiben? Die, die ja das Zeug dazu hatte, aber….?

Sagen wir so, manchen gelingt es, anderen nicht. Die, die wie oben beschrieben ein wahres Talent haben, werden diesem schon gerecht werden – wenn auch manchmal erst nach ihrem Tode, wie Vincent van Gogh. Sein und unzählige andere Beispiele zeigen noch einen zweiten Aspekt der Bürde „Talent“ auf: Manchmal (und je talentiert ein Individuum ist, desto häufiger tritt dieses Phänomen auf) ist die Umwelt einfach noch nicht bereit für die mit diesem Talent verbundene Umwälzung ihrer altbekannten und bequemen Realität. Man sollte sich jedoch davor hüten, Misserfolge und Enttäuschungen per se durch diese Tatsache zu rechtfertigen. Manchmal hat man sich, und wurde man, nämlich auch einfach nur von Anfang an überschätzt.

Wie also umgehen mit Talent, Selbstüberzeugung und positiven Rückmeldungen erst durch  Eltern, dann durch Freunde, dann durch Lehrer und irgendwann durch Professoren und Mentoren? Soll oder muss man einen Anspruch auf Erfolg entwickeln, um ihn letztendlich auch finden zu können oder läuft man damit in Gefahr, den eigentlichen Prozess, die Leidenschaft und den kreativen Akt, aus den Augen, und somit den Zugang zum Talent zu verlieren? Kann man schreiben, malen, dichten, komponieren, singen, kochen…, wenn man einzig und allein die Anerkennung der anderen, der fremden und nicht vertrauten Umwelt im Hinterkopf hat? Ich denke nicht und doch schaffe auch ich es kaum (oder, wer mich kennt weiß das zu genüge, eher gar nicht) mich diesem Sog, den die berufliche und externe Anerkennung und Lobhudelei auf einen wie auch immer talentierten Menschen ausübt, zu entziehen. Was also tun?

Eigentlich gibt es dafür nur eine Lösung: weitermachen. Schreiben um des Schreibens willen, malen um des Malens willen, kochen um des Kochens willen und, zumindest für den Moment des Schaffensprozesses, alle anderen, und vor allem die Zukunft und die mögliche Ablehnung oder Anerkennung, die sie mit sich bringt, ausblenden. Gedanken darüber, was die anderen wohl sagen werden, kann man sich immer noch dann machen, wenn man zufrieden und erschöpft vor einer (vorerst) abgeschlossenen Arbeit sitzt und nach Wochen mit nach unten und nach innen gerichtetem Blick wieder seine Umgebung wahrnimmt und von ihr wahrgenommen werden will.

Selbst wenn besagte Arbeit nur auf Ablehnung stoßen sollte, ist sie eine beendete Arbeit und somit mindestens ein Schritt in die richtige Richtung. Es gibt schließlich genug Beispiele, die beweisen, dass lange Ablehnung einen zukünftigen, überwältigenden Erfolg nicht ausschließen. Eine solche Stimme, die lange ungehört blieb und nun jedem bekannt ist, ist J.K. Rowling und sie hat letztens das, was ich versuche zu sagen, in einem kurzen Satz auf den Punkt gebracht:

IMG_0946Also. Auch wenn es mich schmerzt das auszusprechen: nicht jeder ist ein Capote und ich für meinen Teil habe die heilige 23 inzwischen hinter mir gelassen. Aber wer weiß, vielleicht ist meine Zahl die 25 oder auch erst die 30, dafür ist es mir im Gegenzug dann hoffentlich auch vergönnt, die finale 59 um einige Jahre zu überschreiten. Wenn ich mich selbst nicht schon immer vollkommen falsch eingeschätzt habe, und meine Umwelt mir nicht auch immer schon vollkommen falsche Rückmeldungen gegeben hat, wird der Punkt schon noch kommen, an dem sich meine Selbstwahrnehmung mit der Realität deckt. Bis dahin: schreiben, schreiben, schreiben und Stufe für Stufe – bei Luisolo Buch für Buch – die Treppe zum Erfolg erklimmen. Alles besser, als das Ewige Talent zu bleiben.

©Luisolo

Bananen-Brot

Bevor ich nach dem Abitur beschloss nach Paris an die Kochschule zu gehen, gab es einige Monate der Unsicherheit und des ständigen Umentscheidens, was meine Zukunft jetzt nun für mich bereit halten sollte. Da war dieser große Wunsch, einfach alle konventionellen Wege zu missachten, meinem Herzen und meiner Leidenschaft zu folgen und nach Frankreich zu gehen, um zu kochen, backen, essen und genießen. Meine Angst, die mich von einer schnellen Entscheidung abhielt? Dass ich nachher gar nicht kochen kann! Dass ich den Anforderungen nicht gewachsen sein werde. Noch schlimmer, dass es irgendwie läuft und ich denke, dass ich Talent habe, aber ich bin doch nur Mittelmaß. Dass ich immer Mittelmaß bleiben werde, egal, wie sehr ich mich anstrenge. Dass es vielleicht doch nur meine Mutter war, die meine Backkünste gut fand, weil sie nunmal meine Mutter ist. Am Ende war es dann ein „ach, ist doch egal“ – Moment, der meine Bedenken weg geschoben hat und ich bin einfach aufgebrochen, ohne zu weit in die Zukunft zu schauen. Das war die beste Entscheidung, denn ich liebe meinen Beruf, ich liebe es Essen um mich zu haben und ich will gar nichts anderes machen.

Ob ich nun Talent habe oder nicht, weiß ich eigentlich heute genauso wenig wie damals. Der einzige Unterschied: Ich habe mich entschlossen, einfach immer weiterzumachen. Was dabei am Ende rauskommt, was mein Weg noch für Überraschungen bereit hält, wie erfolgreich in nun wirklich sein werde und was die Menschheit über mein Können / Nicht-Können denkt, lasse ich auf mich zukommen. Hauptsache, ich stehe hinter dem, was ich mache.

Das Bananen-Brot, das ich für diesen Beitrag gebacken habe, ist bewusst ausgewählt. Es ist nämlich eins der besagten Rezepte, die ich schon damals – vor Paris – für meine Mama gebacken habe. Simpel, aber immer schon beliebt. Ob man Talent rausschmeckt? Ich weiß es nicht. Aber Talent beim Kochen ist vielleicht auch einfach, Menschen durch Essen glücklich zu machen. Und das hat ja zumindest damals bei meiner Mama geklappt 😉

Für 1 Kastenform , Schwierigkeitsstufe: 1 von 3

150g weiche Butter

180g Puderzucker

400g Bananen

2 Eier

160g Mehl

200g Walnüsse

1 TL Backpulver

1/2 TL Zimt

1/2 TL Ingwer

Den Ofen auf 180°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Die Kastenform einfetten und mehlen. Die weiche Butter (am Besten mit einer Küchenmaschine) mit dem Puderzucker cremig schlagen. Die Eier einzeln untermischen, bis ein glatter Teig entstanden ist. Die Bananen pürieren und unter den Ei-Butter-Mix mischen.

Die Walnüsse hacken und mit Mehl, Backpulver, Ingwer und Zimt vermischen. Die trockenen Zutaten kurz unter den Teig rühren und alles in die Kastenform füllen. Den Kuchen für 40min auf mittlerer Schiene backen. Nach 15min der Länge nach mit einem Messer den Kuchen ein wenig einschneiden, damit er besser aufgeht.

Dieser Kuchen lässt sich auch hervorragend zum Frühstück verspeisen!

©Anussis

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