Oh Gott?! und Erdbeer-Törtchen

Die Ostertage sind vorüber. Nach einem langen Wochenende mit der Familie, die sonst meist weit verstreut ist, wenden sich jetzt alle wieder ihrem eigenen Leben und Alltag zu. Die letzten Tage waren schön, wie immer, und nach und nach hat jede Familie ihre Osterrituale abgearbeitet. Fressen bis die Nähte platzen, Eier färben und suchen, überall in der Wohnung Häschen und Frühlingsblumen aufstellen, in Schüsseln mit Plastik-Ostergras verführerische Pralinen in Eiform verteilen, Lindt-Schokohasen auf Tische und Fensterbänke stellen und kleine Geschenkchen austauschen. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Ostern. Auch ich mag diese kleinen Rituale, die ich seit meiner Kindheit kenne und die mich somit auch an meine Kindheit erinnern.

Was ich jedoch befremdlich finde, ist die Eindringlichkeit und Feierlichkeit, mit der dieses Fest auch in Familien begangen wird, die sich mit seinem eigentlichen Ursprung kaum oder auch gar nicht mehr identifizieren können. „Wer weiß heute eigentlich noch, wieso wir Ostern feiern?“, ist nicht die Frage, die wir uns stellen sollten. Die meisten wissen das ganz genau. Dass Jesus Karfreitag ans Kreuz genagelt wurde, nachdem er und seine Jünger am Gründonnerstag das letzte Abendmahl feierten, ist inzwischen an den Osterfeiertagen eher nebensächlich. Dass darauf dann aber seine Auferstehung am Ostersonntag folgte, können einem mit Sicherheit die meisten Menschen, die Ostern feiern, sagen. Meiner Meinung nach ist eine andere Frage inzwischen jedoch viel drängender geworden: Obwohl die meisten wissen, warum Ostern gefeiert wird, glauben die wenigsten noch wirklich daran; für die wenigsten sind Jesu Tod schmerzhaft und seine Auferstehung ein Grund zu feiern, die wenigsten glauben überhaupt noch an deren Tatsächlichkeit. Das Fasten in den 40 Tagen vor Ostern hat seine Attraktivität auch nur darum nicht verloren, weil wir in unserer übersättigten und gelangweilten Gesellschaft immer einen Grund suchen, um uns selbst zu entgiften und herauszufordern. Daraus entstehen dann solch traurige Zeugnisse des Zustandes unseres  Kulturkreises wie „Smartphone-Fasten“, bei denen sich Jesus, wenn er denn aus dem Himmel auf uns herabblickt, sicher wünscht, er wäre damals doch in seinem Grab geblieben.

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Sind wir mal ehrlich zu uns selber, – und dabei möchte ich, dass die wahrhaft Gläubigen sich nicht angesprochen fühlen, denn deren Glaube und Zelebration des Osterfestes respektiere und bewundere ich – müssen wir uns eingestehen, dass das Osterfest, so wie Weihnachten, von unserer Konsumgesellschaft und vom kapitalistischen Markt pervertiert wurde, wie so vieles andere auch. Worum geht es Ostern noch? Um das massenhafte Kaufen von Süßigkeiten, Eiern und anderen Leckereien, die erst auf dem Osterfrühstückstisch, dann in unseren überfüllten Bäuchen und danach manchmal auch im Müll landen. Um die Anschaffung von haufenweise, meist kitschigem Oster-Dekor, der in Form von kleinen Häschen, Eichen, Körbchen und Schleifchen 3-4 Tage die Wohnung schmückt, um dann wieder ein ganzes Jahr in Kisten im Keller in Vergessenheit zu geraten. Insgesamt hat Ostern also für die breite Masse der Menschen in unserer westlichen Welt noch zwei komprimierte Bedeutungen: Geld ausgeben und Konsumieren. Und das Perverse daran ist, dass wir das größtenteils auch gar nicht aus bösem Willen oder Ignoranz tun, sondern weil wir darauf trainiert wurden so zu handeln und uns, durch den schon Wochen vorher startenden Überfluss an Ostergadgets in allen Läden, diesem Sog des Kapitalismus kaum noch entziehen können. Wir wollen, dass unsere Wohnungen vor Osterhäschen und Eierchen überlaufen und wir freuen uns schon Wochen vorher auf die Tage, an denen wir mit gutem Grund 3-4 Eier in uns reinstopfen können, um dann noch 1-2 Schokoeier hinterherzuschieben. Wir sind das nunmal so gewöhnt und der Markt bedient nur unsere Bedürfnisse.

Ich schließe mich selber nicht aus, wie gesagt, ich freue mich auf Ostern und ich fühle mich jedes Jahr, ähnlich wie an Weihnachten, in meine Kindheit zurückversetzt. Ostern hat jedoch auch in seiner pervertierten Form in der heutigen Zeit etwas Gutes: Man kommt mit seiner Familie zusammen oder steht zumindest mit seiner Familie in Kontakt. Und darum möchte ich diesen eher negativen Artikel mit einer schönen Feststellung schließen. So wie uns die tagtägliche Übersättigung und der Überfluss unseres Lebens in den Fastentagen dazu treiben, uns durch Verzicht zur Ruhe zu bringen und in uns wieder ein Verlangen nach Leben zu wecken, bringen uns die Ostertage neben dem Kosumwahn auch noch ein weiteres Grundbedürfnis nahe, das wir sonst im ganzen Jahr meist ebenfalls eherIMG_0965 vernachlässigen: die Familie. Carlo Strenger schreibt in seinem Essay „Abenteuer Freiheit“, dass in unserer in fast jeder Hinsicht freien Gesellschaft nur noch eine wirkliche Konstante besteht, die wir selbst nicht bestimmen oder beeinflussen können: die Familie.  Darum, ich frühstücke jetzt mit meiner Mama an einem ganz normalen Dienstag Morgen und esse ein braunes Ei, das nichts weiter als ein Ei ist, rufe dann später mal wieder meinen Papa an, und bin dankbar dafür, dass ich eine Familie habe, die mich immer unterstützt und liebt – auch ohne, dass mich ein Feiertag, dessen eigentlicher Ursprung für mich gar keine Bedeutung hat, daran erinnern muss. Frohen Dienstag!

©Luisolo

Fraisier (Erdbeer-Törtchen)

Das Ende der Fastenzeit läute ich mit einem klassischen Erdbeer-Törtchen ein: mit einer leckeren Buttercreme, einem luftigen Boden, der in Rum Sirup getränkt ist, und natürlich ganz vielen Erdbeeren. In Frankreich wird dieser Klassiker Fraisier genannt und ist zu dieser Jahreszeit in jeder Pâtisserie zu kaufen.

Für 3 Personen, eine ø10cm Form ; Schwierigkeitsstufe 2 von 3

Kuchenboden:
1 Eier
35g Zucker
15g geschmolzene Butter
35g Mehl

Den Ofen auf 170°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Den Boden einer Springform mit Backpapier auslegen. Das Ei mit dem Zucker über einem Wasserbad unter ständigem Rühren erhitzen, bis es lauwarm ist. Dann weg von der Hitze aufschlagen (am besten mit der Küchenmaschine) bis ein voluminöse Masse entstanden ist, die auch wieder abgekühlt ist. Vorsichtig die geschmolzene Butter und das Mehl unterheben. In die Springform füllen und 20 min backen. Abkühlen lassen, aus der Form lösen und den Kuchen der Länge nach halbieren.

Sirup:
60g
Zucker
100ml Wasser
1 Schuss Rum

Zucker mit Wasser aufkochen, den Rum zufügen und vom Herd nehmen.

Buttercreme-Füllung:

200ml Milch
2 Eigelb
60g Zucker
15g Mehl
15g Stärke
75g weiche Butter

Die Milch aufkochen. Die Eigelb mit dem Zucker mischen, dann Mehl uns Stärke zufügen.  Ein wenig der heißen Milch dazu schütten, dann die Mischung in die restliche Milch geben und auf mittlerer Stufe ca. 3 min kochen. In eine Schüssel umfüllen und mit Klarsichtfolie bedeckt im Kühlschrank ca. 30min abkühlen lassen.

500g Erdbeeren

Einen Tortenring am Besten mit Folie auslegen. (Kann man auch weglassen, aber ein schöneres Ergebnis wird damit erzielt. Dafür am Besten Folien in die passende Größe schneiden.) 5-6 Erdbeeren halbieren und mit der Schnittfläche zur Folie/zum Rand ringsum in den Tortenring stellen. Eine Hälfte des Tortenbodens so zurecht schneiden, dass er in die Mitte des Tortenringes, zwischen die Erdbeeren passt. Den Boden ordentlich mit dem Sirup tränken. Dann 2/3 der Buttercreme einfüllen. Dabei darauf achten, dass sie auch an die Stellen zwischen die Erdbeeren kommt. Dann die andere zugeschnittene, mit Sirup getränkte Kuchenboden-Hälfte drauflegen und rundherum nochmal mit der restlichen Buttercreme bedecken, bis zum Tortenringrand. 30 min kalt stellen. Die restlichen Erdbeeren achteln und schön auf der Torte anrichten.

Fertig ist das kleine Frühlings-Törtchen! Auch nach Ostern ein herrlicher Gaumenschmaus!

 

©Anussis

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