Lukullus und Bulots

Lucius Licinius Lucullus, römischer Senator und Feldherr, ging neben einer nicht weniger bemerkenswerten politischen Karriere hauptsächlich wegen seiner üppigen Gastmähler in die Geschichte ein. Bis heute spricht man von einem lukullischen Festmahl oder einem lukullischen Genuss und eine Süßspeise, inzwischen besser bekannt als „Kalter Hund“, wurde ebenfalls nach Lucullus benannt. Aber Lucullus steht nicht für maßlose Völlerei und haltlosen Überfluss – vielmehr ist ein lukullisches Mahl ein Fest der Genüsse, eine Zelebration weltlicher Freuden. Was für ein Mann, welch ein Vermächtnis. Kann man sich etwas Schöneres vorstellen, für das man berühmt wird?  Gibt es etwas Besseres, das  Jahrtausende später über einen in den Geschichtsbüchern stehen kann, als einer ausgeprägten Leidenschaft für gutes Essen und einem herausragenden Sinn für die Gastfreundlichkeit?

img_0677Bei Wikipedia steht zu Lucius Licinius Lucullus ein Satz, der mir besonders gefallen hat, da er auch zu infinite appetite wie die Faust aufs Auge passt: „Lucullus war jedoch kein geistloser Prasser, sondern ein – auch philosophisch gebildeter – Gourmet, der es liebte zu repräsentieren und seine umfangreiche Bibliothek gerne Interessierten öffnete.“ In unserer kleinen Fragerunde vor ein paar Wochen haben wir Anussis den Lukullus genannt, weil sie für den Genuss, für das Essen lebt und Lucius Licinius auch über 2000 Jahre nach dessen Ableben mit ihren kulinarischen Kreationen noch alle Ehre macht. Mit diesem Blog wollen wir zusammen mit Wort und Speise dem Genuss huldigen und den Moment verkosten. Lukullus und allen ihm Gleichgesinnten zu Ehren. Darum waren wir, Anussis und ich, letzte Woche zusammen in einem Fischrestaurant am Viktualienmarkt in München und haben es uns gutgehen lassen. Wir haben unsere Handys in die Taschen gepackt, alle alltäglichen Sorgen zur Seite geschoben und einen kühlen Weißwein und dazu herrliche Bulots genossen – welch ein Fest. In Deutschland sind Bulots besser als Wellhornschnecken bekannt, wenn man sie denn überhaupt kennt. Sie sind auf jeden Fall, gut gemacht, einer Huldigung wert – und wie huldigt man gutem Essen, wenn nicht durch absolute Hinwendung und eine ruhige Minute, fern von allen Ablenkungen des modernen Lebens? Macht es Anussis und mir gleich und nehmt euch einen Moment, haltet inne, denkt an nichts anderes und lasst euch das Mahl eurer Träume auf der Zunge zergehen – ihr werdet merken: es hat einen Grund, dass Lucius Licinius Lucullus für so etwas „banales“ wie Festmähler in die Geschichte eingegangen ist…es gibt wenig, was das Leben wertvoller macht.

©Luisolo

Bulots

Meine erste Berührung mit Bulots hatte ich an einem Fischstand in Montmartre in Paris. Ich arbeitete damals als Stadtführerin und die beeindruckende Auslage war eine der ersten Sehenswürdigkeiten meiner Tour. Begeistert schauten sich die Touristen Seeigel, Schwertmuscheln und Hummer an. Und wenn gerade nicht viel zu tun war, hatte der junge Fischverkäufer noch eine ganz besondere Überraschung: Dann gab es für jeden eine vorgekochte Bulot auf die Hand zum Probieren. Kaum einer schaffte es, dem charmanten Franzosen nein zu sagen – ich eingeschlossen – und so kam es, dass ich pünktlich um neun Uhr morgens (als die Touren starteten) mit einer Bulot in der Hand über die Wunder und die Schönheit von Paris philosophierte.

Bulots sind damit für mich zu einem Ausdruck von purem Genuss und Lebensfreude geworden. Nichts gefällt mir mehr, als meine Passion für gutes Essen mit anderen zu teilen und auf Gleichgesinnte zu treffen. Wer diese lukullischen Freuden auch empfindet, darf jetzt mit Luisolo und mir einen Teller Bulots verzehren!

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 Fischstand in Montmartre, Paris

Bulots lassen sich fast überall schon gekocht kaufen. Wer an lebendige gerät, sollte diese gründlich waschen (gegebenenfalls zwei, drei Stunden in Salzwasser einlegen) und dann für 15min kochen. Die kleinen Schnecken kann man vorzüglich mit Mayonnaise oder Aioli, frischem Baguette und Kräuterbutter, Chili oder Zitrone oder einfach pur genießen.

Luisolo genießt eine Bulot am Viktualienmarkt

 

©Anussis

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