Manchmal … und Tarte Tatin

 

IMG_0674.PNGManchmal wacht man auf und weiß, dass aus dem Tag, der vor einem liegt, nichts werden kann. Trotzdem quält man sich hoch, schleppt sich ins Bad,  zieht sich an, isst was, trinkt seinen Kaffee und stellt sich dem, was einem bevorsteht. Manchmal wird der Tag dann doch gar nicht so schlimm wie erwartet. Manchmal, meistens, wird es aber ganz genau so furchtbar, wie in der ersten wachen Sekunde erahnt. Manchmal liegt das aber auch ganz genau daran, dass man gar nichts anderes vom Tag erwartet hat und manchmal fallen einem die schönen Momente des Tages überhaupt erst auf, weil man nur vom Schlimmsten ausgegangen ist.

Meistens lassen sich weder die guten noch die schlechten Tage im Leben planen. Manchmal fällt einem jedoch erst im Nachhinein auf, dass ein guter oder ein schlechter Tag hinter einem liegt. Und manchmal merkt man auch erst, wie gut oder wie schlecht ein Tag war, wenn man einen noch viel besseren oder noch viel schlechteren Tag erlebt und sich denkt, wieso konnte ich den Moment damals nicht wertschätzen? oder auch, wieso hab ich mich denn damals so angestellt?

Manchmal macht man die Augen auf und denkt sich gar nichts. Und manchmal kommen einem genau dann, während man seinen Kaffee schlürft und versucht in der Realität anzukommen, die besten Ideen. Das war bei mir im letzten Jahr zum Beispiel so. Der einzige Gedanke, den ich beim Aufwachen dem vor mir liegenden Tag gewidmet habe, galt meinem dicken Kopf, den ich der durchzechten Nacht davor zu verdanken hatte. Zum Glück war der pochende Kopf neben einem leichteren Portemonnaie und rumorenden Magen das einzige Übel, das mir der feuchtfröhliche Abend zuvor bereitet hatte und so konnte ich, in abgedunkeltem Zimmer, über mein Leid lachen. Und gerade dieses Lachen, das umso mehr wert war, da mir zur gleichen Zeit schmerzlich bewusst war, dass die nächsten wachen Stunden das ein oder andere Stöhnen bereit halten würden, lies den Tag, der mit weniger Geld in der Tasche und mehr Kerben auf der Regenerierungsliste meiner Leber begonnen hatte, doch gar nicht so furchtbar wirken wie zuerst angenommen und ich ließ meinen Gedanken, soweit das die hämmernden Schläfen erlaubten,  freien Lauf. Was machen an kommenden Tagen, an denen ich fitter sein würde? Was machen mit bevorstehenden Stunden, in denen die körperliche und geistige Kraft zurückkehren würde?

Der vorangegangene Abend hatte ohne Zweifel großen Spaß gemacht, aber immer so weiter machen? Nein. Mein Magen rebellierte bei dem Gedanken. Wenn ich jetzt keinen Kater hätte, würde ich am liebsten mal wieder zeichnen und schreiben, dachte ich mir. Warum nicht Tage wie diese, an denen der tickende Zeiger der Uhr allein den erholsamen Schlaf des Abends ankündigt und es von vornherein klar ist, dass nichts Produktives passieren wird, durch andere, bessere, produktivere Tage rechtfertigen? Warum nicht Abende wie den zurückliegenden noch besonderer machen, weil man am Tag davor etwas geschafft hat, das einem wirklich am Herzen liegt?

Und siehe da, das Bewusstsein, dass der bevorstehende Tag kein besonders guter werden würde, löste das Bedürfnis aus, die Tage danach umso besser zu gestalten. Wieso weiter dümpeln, weiter Tage verschwenden, wenn man auch endlich mit dem beginnen könnte, von dem man eigentlich schon ewig weiß, dass man es gerne machen würde?

Infinite appetite wurde, wenn man so will, an einem Katertag geboren. Ich hatte schon länger das Bedürfnis, endlich mal wieder kreativ zu werden. Das Wissen um die unangenehmen Stunden, die ich an diesem Tag verleben musste, war jedoch nötig, um in mir das Verlangen zu wecken, das, was nach dem unausweichlichen Leid des Alkoholabbaus folgen würde, umso schöner und aktiver zu gestalten. Und so sind wir nun hier angekommen. Auf diesem Blog. Auf dieser Seite. In diesem Beitrag. Knapp 3 Monate nach besagtem Tag. Manchmal muss ein Tag eben scheiße sein, damit der darauf Folgende umso besser werden kann. Manchmal muss das Leben eben beschissen laufen, damit man sich zusammenreißen, und es endlich selber in die Hand nehmen kann.

©Luisolo

Tarte Tatin

Manchmal, ja manchmal, da geht wirklich alles schief. So schief, dass man meint, nichts ist mehr zu retten. In der Küche passiert das besonders gerne. In wie vielen Momenten ich am liebsten theatralisch die Teller auf den Boden gedonnert und voller Unmut meine Schürze aus dem Fenster geworfen hätte. Gerade wenn man wie ich einen leichten Hang zum Perfektionismus hat, kann es einen an den Rand der Verzweiflung bringen, wenn ein Kuchen rätselhafterweise in sich zusammenfällt, das Fleisch so zäh ist, dass man damit jemandem eins überbraten kann oder die Suppe schlichtweg versalzen ist. Aber ich habe etwas aus den vielen Pleiten, die mich bis jetzt auf meinem Weg heimgesucht haben, mitgenommen. Zum einen: Aus Fehlern lernt man. Und wenn man den Kuchen 10 mal backen muss, irgendwann hat man es raus und es fällt nichts mehr zusammen! Zum anderen: Manchmal kann aus augenscheinlichen Pleiten auch etwas noch viel besseres werden! Ein wunderbares Beispiel dafür ist die Tarte Tatin. Im 19 Jahrhundert führten zwei Schwestern, die Schwestern Tatin, ein Restaurant in Lamotte-Beuvron in Frankreich. Eines Tages, als es ein großes Mahl vorzubereiten gab, vergaß die eine Schwester vor lauter Schusseligkeit beim Backen der Apfel Tarte den Teig in die Form zu geben und steckte nur die karamellisierten Äpfel in den Ofen. Als ihr auffiel, was sie vergessen hatte, drückte sie den Teig schnell nachträglich auf die Äpfel und als die Tarte aus dem Ofen kam, drehte sie den Kuchen einfach um. Und siehe da, die Gäste liebten diese neue, besondere Tarte! Aus einem riesengroßen Missgeschick ist einer der bekanntesten Apfelkuchen der Welt geworden, mit dem sich die werte Frau bis heute einen Namen macht!

Für eine ø20cm Form , Schwierigkeitsstufe: 1 von 3

150g Mehl
75g Butter, in Würfeln
3g Salz
15g Zucker
1 kleines Ei
1 Vanilleschote, ausgekratztes Mark

Den Ofen auf 180°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Das Mehl mit der Butter, dem Vanillemark, dem Salz und dem Zucker in der Küchenmaschine oder per Hand zerbröseln. Dann das Ei hinzufügen und zu einem glatten Teig verarbeiten. In Klarsichtfolie gewickelt in den Kühlschrank geben.

3 Äpfel
100g Zucker
750ml Wasser
1 Vanilleschote, Hülle

Die Äpfel schälen, vierteln und entkernen. Den Zucker mit dem Wasser und der Vanilleschote (das kann die Hülle der Schote sein, bei der man das Mark ausgekratzt hat) aufkochen , dann die Äpfel dazugeben und in dem Sirup ca. 8 min blanchieren. Abtropfen lassen.

100g Zucker
75g Butter, in Würfeln

Den Zucker in einem Topf zu einem goldgelben Karamell schmelzen. Wenn die gewünschte Farbe erreicht ist, die Butter dazu geben und unter Rühren so lange weitermachen, bis eine homogene Masse entstanden ist.

Zusammensetzung: 

In eine Pie-Form (es sollte eine geschlossene Form sein, also keine Springform) das heiße Butter-Karamell füllen. Die Apfelviertel eng angeordnet, mit der Außenseite nach unten, in das Karamell drücken. Dann auf einer bemehlten Arbeitsfläche den Teig ausrollen, sodass man einen Kreis in der Größe der Tarte Form ausschneiden kann. Diesen über die Äpfel legen, an den Seiten andrücken und dann ein paar mal mit einer Gabel einstechen. (Übrig gebliebenen Teig einfach für die nächste Tarte einfrieren!) Die Form auf mittlerer Schiene 30min backen. Kurz etwas auskühlen lassen und dann umstülpen. Wer es mag, kann die Tarte mit Sahne und Zimt servieren.

Übrigens: Auch bei mir ist was schief gegangen bei der berüchtigten Tarte Tatin! Vor lauter Eile und weil ich keine Pie-Form in der gewünschten Größe parat hatte, habe ich zur Springform gegriffen und siehe da, quelle surprise, das Karamell ist während des Backens an den Seiten ausgelaufen. Aber Ruhe bewahren, sowas lässt sich zum Glück problemlos retten und voilà, ist nochmal alles gut gegangen! 🙂

 

©Anussis

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