Merry Christmas

IMG_0652.PNGSeit dem 1. Oktober zelebriert und mit Spekulatius überschüttet, kommt die Vorweihnachtszeit heute endlich an ihrem lang ersehnten Ziel an: Heiligabend. 

Was haben wir alles ertragen müssen, bis wir endlich die verdienten 3 Flaschen Wein unterm Baum trinken dürfen, um das alljährliche Familienzusammentreffen ertragen zu können… mussten uns durch volle Fußgängerzonen quetschen, uns auf Weihnachtsmärkten anrempeln und mit Glühwein überschütten lassen, ewig in seltsamen Läden, die man sonst nicht betreten würde, nach Geschenken suchen, alternativ zum 256 Mal die Frage: „Und, hast du schon alle Geschenke?“ mit „Fast, brauche noch ein paar, dieses Jahr hänge ich irgendwie hinterher“ so beantworten, als wäre es die anderen Jahre jemals anders gewesen und Michael Bublé, der mit dem Spekulatius zusammen Anfang Oktober aus der Versenkung erscheint, um am 27. Dezember dann wieder für ein Jahr abzutauchen, rauf und runter hören. Kurz: es war so furchtbar wie die letzten Jahre und die Nostalgie, die uns Ende des Sommers überkommt und uns dazu bewegt, uns erneut der Illusion einer bevorstehenden besinnlichen Weihnacht hinzugeben, ist hallelujah-singend im überteuerten Glühwein ertrunken.

Macht aber nichts. Ein scheiß Jahr muss scheiße enden und das neue Jahr kann dafür nur umso besser werden. Schlagen wir uns noch einmal die Bäuche voll, rechtfertigen uns vor dem Rest von unserer Familie für das, was wir dieses Jahr geschafft oder, wahrscheinlicher, nicht geschafft haben und trinken uns mit dem schweren Rotwein einen Schlummer-Schwips an. Dabei merken wir dann, dass wir unsere Familie, warum auch immer, sehr lieb haben und sind kurzzeitig dankbar dafür, dass wir so gesegnet sind – bis der nächste Streit über lang verjährte vergangene Streits (an Weihnachten) vom Zaun bricht. Aber, Familie sucht man sich schließlich nicht aus und dafür hat man es dann ja doch ganz gut getroffen. Je älter man wird, desto unwichtiger werden die Geschenke die man bekommt und desto wichtiger werden die Geschenke, die man selber verschenkt. Wahrscheinlich ist es die Arroganz und der Narzissmus der fortschreitenden Lebensjahre oder wir legen mit der Zeit einfach zunehmend weniger Wert auf materielle Dinge. Plötzlich versteht man, wieso Eltern früher immer noch ein Paket mehr aus dem Hut zaubern konnten, geht es uns doch jetzt ähnlich. Ach, das nehme ich auch noch mit. Das könnte Mama auch gefallen. Darüber freut sich Papa sicher auch noch. Habe ja erst Geschenke für 60€ insgesamt, habe schon mehr an einem Abend in der Altstadt ausgegeben. Wollen wir nicht kniepen, rein in den Einkaufswagen. Mama und Papa haben doch schon so viel finanziert. Ein bisschen Dankbarkeit – das nehme ich auch noch mit. Belohnt wird man dann aber auch, wenn plötzlich die Eltern das Strahlen von beschenkten und geliebten Menschen in den Augen haben, mit dem man als Kind selber den Tannenbaum erleuchtet hat. Dass man nächsten Monat wahrscheinlich erstmal das SKY-Abo und den Netflix Account kündigen muss, um das Geld wieder reinzuholen, macht da nichts. Schenken macht glücklich und der wunderbare Eigennutz der Geschenketradition an Weihnachten erlaubt es einem, endlich mal mit gutem Gewissen unnötigen Krempel anzuschaffen – ist ja nicht für mich.

Ja, ich bin dieses Jahr und wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren der Grinch. Aber ich bin es gerne. Mein Umfeld kann davon auch nur profitieren… entweder es bereitet ihnen Freude, weil sie insgeheim genauso über Weihnachten denken und einzig der schockiert-verletzte Blick der Gesellschaft, für die Weihnachten sozusagen die Kernessenz des geliebten christlichen Abendlandes ist, hält sie davon ab, es auszusprechen. In diesem Falle ist ein kleiner Grinch mehr als willkommen, denn er nimmt einem die Drecksarbeit aus den Händen und erlaubt es einem, sich mit einer dampfenden Tasse Glühwein, einem Teller Dominosteine und Bublé-Gedudel im Ohr in die hübschen Weihnachtskissen sinken zu lassen, die genau einmal im Jahr 2 Wochen zum Einsatz kommen, und sich dabei nicht blöd vorzukommen. Für die anderen – die, die aufrichtig daran glauben, dass Weihnachten besinnlich, glücklich, harmonisch und fröhlich ist und nach Orangen, Nelken, Glühwein und Tannenzweigen duftet, während kleine Engel den Baum schmücken und die Elfen die Pakete am Nordpol schnüren – ist es ebenfalls ganz wunderbar, sich mit dem Grinch konfrontiert zu sehen. Er erlaubt es ihnen nämlich, sich ganz entschieden von dieser Weihnachtsmuffelei abzuwenden und vom hohen Einhorn herabzublicken auf diesen bemitleidenswerten Stinkstiefel. Der Grinch will doch eigentlich auch nur Liebe und Harmonie und wenn er nicht so ein A*******h wäre, würde er mir ja nur leid tun.

Mir ist gleich, mit welchem dieser beiden Typen ich die nächsten Tage noch so konfrontiert werde. Gebt mir eine Flasche Wein und eventuell auch eine zweite, deckt den Tisch mit weihnachtlichen Leckereien und freut euch über meine zu vielen und viel zu teuren Geschenke und ich bin glücklich – auf meine ganz eigene grinchige Art und Weise. Ich sage euch: 2017 kann kommen. Frohe Weihnachten!

©Luisolo

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