Erwachsenwerden und Pissaladière

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Haus, Ehemann, Kinder, Hund, Geld, Gesangs-karriere… was hat man sich als Kind nicht alles vor-genommen für das Leben als „Erwachsener“. Und wie sieht die Realität aus? Es fängt ja schon damit an, dass man gar nicht mehr wirklich weiß, was „Erwachsensein“ denn überhaupt heißt – geschweige denn, wann man damit denn nun wirklich anfangen soll.

Solange die Zu-kunft noch aus schwammigen, von Stereotypen geprägten Fantastereien bestand, machte es riesigen Spaß, sich mit dem „Groß sein“ auseinanderzusetzen. Es gab die Zeiten, zu denen einem die Ausflucht  „Wenn ich erwachsen bin, wird alles besser!“ über die dunkelsten Stunden hinweggeholfen hat. Ist man dann jedoch „erwachsen“, kämpft man tagtäglich mit der Schere, die sich zunehmend zwischen dem auftut, was man selber einmal von sich erwartet hat und dem, was man dann wirklich erfüllen kann.

Heute ist Anussis‘ 24. Geburtstag und es ist an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass nicht immer alles so läuft/lief, wie man es sich einst vorgestellt hat. Da ich jedoch auch weiß, dass man selber sein kleines, menschliches Dasein immer etwas entrückt betrachtet, möchte ich nun das große, heroische Dasein von meinem geschätzten Kollegen und geliebten Anussis durch (verhältnismäßig) unvoreingenommene Augen betrachten. Seid ihr bereit?

Vor 24 Jahren kam, kurz vor Weihnachten, ein kleines Mädchen auf die Welt, dem man den Namen Alissa gab. Das Mädchen wusste damals noch nicht, dass es schon mit seinem ersten Atemzug zu den privilegiertesten Menschen dieses schönen Planeten gehörte… es war nämlich in Düsseldorf geboren worden. Kurz nach Sessionsbeginn schnupperte klein Alissa die gute rheinische Altbierluft und war bereit, sich mit voller Inbrunst in die Herrlichkeit des Lebens zu stürzen. Alissas Jugendjahre waren geprägt von Veränderung – zwei liebende Eltern trugen sie jedoch behütet durch diese Turbulenzen. Mehrere Schulwechsel und ein langer Aufenthalt in Amerika machten Alissa dann zu dem selbstbewussten (und immer noch!) jungen Menschen, der heute unser aller Leben bereichert.

In Amerika lernte sie ihre bis heute besten Freundinnen Nora und Hannah kennen und merkte, dass die große weite Welt nicht immer ganz so herzlich war, wie die alten, rheinischen Oppas und Ommas im Uerige oder Füchschen. In der 12. Klasse kam Alissa dann auf das Görres-Gymnasium und seitdem hat sie ihren Platz im Leben gefunden. Die Jahre vor dem Abi sind der beste Beweis für die faszinierende Fehleinschätzung des eigenen Lebens, die die Jugend so mit sich bringt… man denkt, man ist uralt und das Leben kann einem nichts mehr anhaben. Ein paar Jahre später merkt man erst, wie blöd  man damals eigentlich war…

Und trotzdem hat Alissa nach dem Abitur den richtigen Weg eingeschlagen. Sie hat sich für ihre Leidenschaft entschieden und trotzt seit den erhebenden Jahren der jugendlichen Naivität, den inzwischen vermehrt auftretenden Schwierigkeiten des menschlichen Daseins. Sie hat sich entschlossen (als eine der Einzigen) nicht um jedweden Preis den universitären Weg einzuschlagen und ist an die Cordon Bleu in Paris gegangen. Seitdem arbeitet sie als Foodstylistin in München und seit neuestem gestalten wir gemeinsam diesen wunderbaren Blog. Ob andere ihn auch wunderbar finden ist dabei ganz nebensächlich, weil er uns so oder so eine Möglichkeit bietet, uns kreativ auszuleben, was – besonders in dieser „erfolgs-“ und geldorientierten Gesellschaft – meiner Meinung nach das höchste Gut ist. Es geht in unserer freundschaftlichen Zusammenarbeit nicht mehr ausschließlich um das Warum? und Wohin?, sondern nur noch um das Darum! und Egal Wohin! Der Moment wird in den Fokus gerückt und die von überall einströmenden kritischen Fragen sind schon lange nicht mehr wirklich relevant. Danke, dass wir gemeinsam so gut gegen den Strom schwimmen können.

Also Anussis, hör auf an dir selbst zu zweifeln. Wenn du das Bedürfnis hast zu zweifeln, zweifle am Rest der Welt.

Darum lasst uns heute und morgen Anussis‘ und das Leben feiern und uns keine Sorgen mehr um den Kater am nächsten Tag oder die möglichen, unmöglichen Jobinterviews in den eventuell kommenden sechs Monaten machen. Wir sind nur einmal jung. Und, egal was auch immer die Gesellschaft uns auch zuschreit, mit 24 haben wir noch jedes Recht auf der Welt, unsere gegebenen Stunden auszukosten und nicht das Jetzt dem Bald (vielleicht) zu opfern. Su lang mer noch am Lääve sin…

Prost und (warum auch immer) Helau!

Danke Anussis, dass es dich gibt. Bleib noch lange bei uns.

©Luisolo

Pissaladière

Eine Pissaladière ist eine Art Zwiebelkuchen aus Nizza, der neben Zwiebeln genau drei wichtige Zutaten besitzt: schwarze Oliven, Sardellen und Kapern. Wer sich jetzt fragt, warum ich mir ausgerechnet dieses Gericht ausgesucht habe, um es mit euch an meinem Geburtstag zu teilen, der kann mit mir eine kurze Reise in die Vergangenheit machen: Ich war eigentlich schon als Kind ein kleiner Omnivore und habe Essen über alles geliebt, aber meine Eltern können wohl ein Lied davon singen: Oliven, Sardellen und Kapern (schlimmstenfalls auch noch alles drei zusammen!) kamen bei mir nicht auf den Teller. Diese Abneigung hielt lange an. Von Spaghetti Puttanesca bis zur Pizza Napoli lehnte ich alles kategorisch ab.

Luisolo hat gerade oben in ihrem Text über das Erwachsenwerden philosophiert. Erwachsenwerden bedeutet für mich auch, offen zu sein, Erfahrungen zu machen und Neues zu lernen. Und so kam es, dass ich an der Kochschule in Paris eines Tages eine Pissaladière vorgesetzt bekommen habe und was soll ich sagen … ich habe mich in ein Gericht mit Oliven, Sardellen und Kapern verliebt! Ein Moment, in dem ich mir sehr erwachsen vorkam. Wer sich auch mal wieder so fühlen möchte, der gönne sich mit mir ein Stück Pissaladière und stoße mit mir auf ein weiteres Jahr voller Weisheit und gutem Essen an!

Für 2 Personen , Schwierigkeitsstufe: 1 von 3

150g Mehl (Typ 550), 8g Hefe, 3g Salz, 3g Zucker, 50ml lauwarmes Wasser, 2EL Olivenöl, 1 Ei

300g Zwiebeln, Olivenöl, 1/2 Zehe Knoblauch, Thymian, Salz, Pfeffer
20g Sardellen
50g schwarze Oliven
20g Kapern

Den Ofen auf 200°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Für den Teig die Hefe in das Wasser bröseln, Zucker zufügen und die Mischung 15min gehen lassen. Dann die gegangene Flüssigkeit in eine Schüssel zum Mehl schütten und auch Salz, Olivenöl und Ei hinzufügen. Alles zu einem glatten Teig verarbeiten und zugedeckt an einem warmen Ort 60 min gehen lassen.

In der Zwischenzeit, die Zwiebeln schälen, halbieren und in dünne Scheiben schneiden. In einer Pfanne bei mittlerer Hitze Olivenöl erhitzen und die Zwiebeln darin andünsten. Die halbe Knoblauchzehe drüber reiben und mit Thymianblättern, Salz und Pfeffer würzen. Die Sardellen, Oliven und Kapern gut abtropfen lassen.

Den Teig auf ein mit Backpapier belegtes Backblech geben und vorsichtig rund ausrollen. Die Zwiebeln, Sardellen, Oliven und Kapern  gleichmäßig drauf verteilen und den Zwiebelkuchen 30min im Ofen backen.

©Anussis

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