Mann, Mann, Mann und Black Angus Rinderfilet

Mann, Mann, Mann… denkt man sich nicht allzu selten, wenn man heutzutage auf die Straße geht. T-Shirts in der Länge eines Kleides, wie Buchsbäume gestutzte und in Form gebrachte Bärte, Nasenringe, gezupfte und gefärbte Augenbrauen, aufgepumpte, melonenförmige Oberarme, Hosen, die so eng sind, dass jeder Urologe anfängt zu weinen, Ausschnitte, die fast bis zum Bauchnabel reichen, babypopoglatte Brustmuskeln, die bei jeder Bewegung durch ein subtiles Zucken zur Geltung gebracht werden, blasse und schmale Knöchel, die aus hochgerollten Hosen herausschauen und in verrückte Socken münden und Haardutts, die jeder Frau einen neidischen Blick abringen. Was ist nur aus dem geworden, was wir einst „Mann“ nannten?

Die allgemeine Krankheit unserer Zeit, der sich auf dem Vormarsch befindende gesellschaftlich immer stärker tolerierte Narzissmus, dem Instagram und Co. eine wunderbar dankbare Plattform bieten, lässt sich besonders gut an den männlichen Usern dieser digitalen Zauberspiegel beobachten. Dort, wo früher noch eine natürliche Zurückhaltung guter Ton und ein gesundes Selbstbewusstsein Voraussetzung waren, scheint inzwischen ein Wettkampf darüber ausgebrochen zu sein, wer sich am lächerlichsten machen und am weiblichsten verkaufen kann.

unnamed.pngOb oben-ohne Portraits mit selbstsicherem, schiefen Lächeln, das zu sagen scheint: „Na, findest du mich auch so geil, wie ich mich selber?“, Eiweißriegel-Proteinshake Stillleben, deren Leitspruch sein müsste: „Wer schön sein will muss kotzen.“ oder Denker-Posen mit Hand am Buchsbaum, pardon, Bart, bei deren Anblick man die im dazugehörigen Kopf rotierende Frage: „Pute oder Tofu zum Abendessen?“ förmlich hören kann – die lieben Bodybuilder, Nachhaltigkeits-Start-Up Gründer, Grafikdesigner und Sneaker-Verkäufer unserer Generation enttäuschen einen im Internet wirklich nie.

Nochmals: was ist nur mit unseren Männern passiert? Wann sind sie aufgewacht und haben beschlossen, ihre Männlichkeit fortan nur noch durch Bartpflege, Sojaanbetung und Testikel-Tortur zur Schau zu stellen? Wann hat unsere Gesellschaft ihren männlichen Mitgliedern zugeflüstert, dass es in Ordnung sei, wenn man eine Verabredung absagt, weil man noch ins Fitnessstudio muss – „Ich war diese Woche erst sechs Mal da. Ich fühle schon, wie meine Oberarme zu schwabbeln anfangen“? Wann haben die Herren der Schöpfung die Wahnvorstellung entwickelt, dass es wichtiger sei Eiweißshakes zu trinken, als einen ordentlichen Krug Bier ohne abzusetzen herunterzubekommen? Seit wann ist es in Ordnung, bei einem Date in einem Brauhaus an einem Freitagabend einen grünen Tee zu bestellen?? Was um alles in der Welt ist denn nur passiert?

Liebe Männer: reicht es nicht, dass wir Frauen uns schon ab unserem 13. Lebensjahr verbiegen, um euch zu gefallen? Müsst ihr euch diese Folter jetzt auch noch selber antun? Könnt ihr nicht, so wie früher, einfach nur überzeugt von euch sein – auch ohne, dass ihr dafür stundenlang Gewichte heben, beim Friseur sitzen und vorm Kleiderschrank stehen müsst? Das war doch gerade das Schöne an euch: die euch von der Gesellschaft in die Wiege gelegte natürliche und unumstößliche Überheblichkeit; Ein Fels in der Brandung, der für uns – das schwache und schöne Geschlecht – die schweren Aufgaben des Lebens übernahm? Was bleibt denn jetzt noch übrig? Was macht euch jetzt noch begehrenswert und besonders? Über unsere Figuren meckern, jedes Stück Schokolade viermal umdrehen, zwei Stunden im Bad verplempern und der Modeindustrie Geld in den A***h blasen, können wir auch selber – Vielen Dank! Konzentriert euch doch endlich mal wieder auf’s Holz hacken, Whiskey trinken, Zigarren rauchen und Probleme lösen.

Vielleicht kommen doch mehr weibliche Hormone durch die Antibaby-Pille ins Grundwasser als bisher angenommen. Liebe Männer, wacht endlich mal aus eurem Schönheitsschlaf auf. Es bringt wahrscheinlich nichts, euch zu sagen, dass es nichts Unattraktiveres gibt als einen Mann, der länger im Bad braucht als man selber. Ihr werdet trotzdem weiter jeden Abend eure Feuchtigkeitspflege und Anti-Falten-Maske auflegen. Ihr macht das schließlich – im Gegensatz zu uns – wirklich nur für euch. Diese verzückten Blicke, wenn Mann ins vorbeiziehende Schaufenster schaut und sieht, dass sein Dutt ganz genau richtig ungemacht aussieht. Die stolzgeschwellte Brust, wenn er sein ohne Öl und Gewürze angebratenes Putenfilet aufschneidet und davon ein Foto bei Instagram posten kann: #healthyeating, #bodybuilder, #dreambody, #lowcarb. Die behutsam liebevollen Bewegungen, mit denen er abends Gucciloafer und Rolex in den farblich sortierten Schrank einräumt und die makellose Lederjacke für den nächsten Tag glattklopft… Mir fällt wirklich nichts mehr ein, was man dazu noch sagen könnte, außer: Mr. Darcys, Aron Gunnarssons, Khal Drogos und Gerard Butlers dieser Welt – wo zur Hölle seid ihr hin?

©Luisolo

Luisolo hat es schon sehr richtig beschrieben: Schnell die Putenbrust in großen Mengen beim Discounter gekauft, schließlich braucht es ja genug Eiweiß für die dicken Muskeln. Dann ruckzuck anbraten. Bloß kein IMG_2596.JPGSalz, bloß keine Butter oder überhaupt ein Fett, keine Kohlenhydrate – ist ja alles irgendwie gefährlich. Noch eben was Grünes dazu, ist ja schließlich alles irgendwie gesund. Das ganze am besten noch schnell abgepackt in kleine Tupper-Döschen, sodass man sich die nächste Woche von nichts anderem mehr ernähren muss. Wer hat auch  Zeit für Essen, wenn das Fitnessstudio ruft? Hauptsache nach außen hin wirkt es wie eine gesunde und bewusste Ernährung. Aber ist es das? 

Black Angus Rinderfilet

an  Kumquat-Jus mit Selleriepüree, Pfifferlingen und Pak Choi

Billige Putenbrust kann vor allem eins: Durch Keime überzeugen. Wer dem ganzen entgegen wirken möchte (oder endlich bereit dazu ist, seine Männlichkeit wiederzufinden), kann es ja mal mit diesem Rindersteak Rezept probieren (das Filet wird natürlich beim Metzger des Vertrauens gekauft). Das Wunderbare an diesem Gericht ist nämlich, es schmeckt nicht nur gut, sondern es ist auch noch gesund! Kumquats sind reich an Vitamin C und Kalzium, Pak Choi steuert neben diesen beiden Kraftstoffen auch noch einen hohen Gehalt an B-Vitaminen, Eisen und Beta-Karotin bei, Knollensellerie kann trotz niedrigem Kaloriengehalt mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen überzeugen. Und dann haben wir noch Salz und Butter. Neben positiven Eigenschaften, die diese beiden Zutaten sowieso haben (Salz ist z.B. wichtig für den Zellstoffwechsel), ist das Ausschlaggebende: Sie geben den Geschmack. Und Essen soll schmecken! Man muss es genießen und sich auf jeden einzelnen Bissen besinnen können, denn das macht schlussendlich ein gutes Verhältnis zum eigenen Körper aus. Wer geschmackloses Essen in sich hineinschaufelt, hat den Sinn von bewusster Ernährung nicht verstanden. Und wer sich nicht über die Herkunft seines Fleisches Gedanken macht, der hat noch weniger Ahnung. Also an die Kochtöpfe und habt Spaß am Essen (das macht für mich auch wahre Männer aus ;)!

Für 2 Personen, Schwierigkeitsgrad: 2 von 3

Beilagen:

1 kleine Sellerieknolle, 2EL Butter, Salz
2 Pak Choi, Salz
1 große Hand voll Pfifferlinge , 1 EL Butter, Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Steak und Jus:

400g Black Angus Rinderfilet (am Stück)
1 Thymianzweig, 1 Lorbeerblatt, 1 zerdrückte Knoblauchzehe, 1 EL Butter, 5 Kumquats
1/2 kleine Zwiebel, 1/4 Möhre, 1 TL Butter

Extra-Deko:

5 Kumquats, Pflanzenöl

Für das Selleriepüree die Sellerieknolle mit dem Messer schälen und dann in größere Stücke schneiden. In einen Topf geben, Wasser hinzufügen, sodass die Stücke gerade überdeckt sind, salzen und dann kochen, bis der Sellerie butterweich ist. Abgießen und noch heiß mit dem Pürierstab pürieren, die Butter löffelweise untermixen und das Püree mit Salz abschmecken.

Einen Topf mit Salzwasser zum kochen bringen. Die einzelnen Stränge des Pak Choi von der Wurzel abschneiden, in das kochende Wasser geben und kurz blanchieren, bis sie bissfest gegart sind. Dann in kaltem Wasser abschrecken.

Butter in einer Pfanne bei mittlerer Hitze erwärmen. Die Pfifferlinge putzen und in die heiße Pfanne geben. Solange anbraten, bis sie durch sind. Mit Salz und frischem Pfeffer würzen.

Den Ofen auf 180°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Das Rinderfilet mit einem Küchengarn zusammenbinden. In einer unbeschichteten Pfanne auf höchster Stufe einen Schuss Pflanzenöl (ich nehme immer Erdnussöl) erhitzen und das Fleisch von allen Seiten kurz scharf anbraten. Butter, Thymian, Lorbeer, die Knoblauchzehe und 5 zerhackte Kumquats in die Pfanne geben und ab damit in den Ofen (Ja genau, die ganze Pfanne! Deswegen ist es sehr wichtig, dass sie unbeschichtet und ofengeeignet ist! Wenn das nicht möglich ist, das Filet mit den Zutaten in eine Ofenform geben, aber die Pfanne unbedingt für die Sauce aufbewahren!). Bei mir war das Fleisch 15 min im Ofen, die Zeit variiert allerdings abhängig von der Größe des Stücks und natürlich vom gewünschten Garzustand. Während das Fleisch im Ofen ist, min. zweimal kurz das Filet mit dem Bratensaft/dem Fett aus der Pfanne übergießen. Wenn das Fleisch aus dem Ofen kommt, aus der Pfanne nehmen und sofort salzen, dann in Alufolie gepackt 15 min ruhen lassen.

Für den Jus die Pfanne zurück auf den Herd stellen und bei hoher Temperatur die zerhackte Zwiebel und Möhre hinzufügen und anschwitzen. Wenn der Pfannenboden ein wenig braun karamellisiert, alles mit 300ml Wasser ablöschen und bei mittlerer Temperatur den Jus einkochen lassen. Wenn er dickflüssig genug ist, durch ein Sieb gießen und mit Salz, Pfeffer und der Butter verfeinern.

Für die Deko eine gute Menge Öl auf höchster Stufe erhitzen. 5 Kumquats in schmale Ringe schneiden und dann in der Pfanne frittieren. Auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Auf zwei Tellern das Rinderfilet mit den Beilagen und dem Jus anrichten, mit den frittierten Kumquats dekorieren und mit frisch gemahlenem Pfeffer bestreuen.

©Anussis

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