St.Martin und Weckmänner

Morgen ist der 11. November, ein im Rheinland – Anussis’ und meiner Heimat – doppeltbelegter Feiertag. Im Kirchenjahr ist es der Tag des heiligen Martin von Tours, der auf dessen Grablegung am 11.11. im Jahre 397 n. Ch. zurückgeht. Im Jeckenkalender ist es der Start der neuen Karnevalssession – in Düsseldorf „Hoppeditz Erwachen“ genannt –, die mit dem Aschermittwoch im folgenden Jahr dann wieder endet. Am Freitag schreiben wir einen Beitrag zum 11.11. als Karnevalsbeginn, den Anussis und ich in Köln gebührend feiern werden. Heute soll es hier darum um den sogenannten Martinstag gehen, der mit seinen Martinsumzügen, Martinssingen und vor allem Weckmännern, unsere Kindheit geprägt hat.

Wer genau war jedoch eigentlich dieser Martin? Martin von Tours war 334 n. Ch. Soldat der kaiserlichen Garde in Amiens in Frankreich. Die Soldaten dieser Garde trugen über ihrer Rüstung einen weißen, zweiteiligen Mantel, der im Schulterbereich mit Lammfell ausgefüttert war. (Wer als Kind mit großen Augen dem Polizei-Martin auf dem Grundschulpausenhof dabei zugeschaut hat, wie er seinen mit Klettverschluss zusammengehaltenen roten Mantel mit einem Plastikschwert teilte und einem „Bettler“ gab, wird sich jetzt wundern. Hier ist mir jedoch kein Fehler unterlaufen, der Original Mantel – gehen wir jetzt mal davon aus, dass die Mantelteilung stattgefunden hat – muss, historischen Quellen zufolge, weiß gewesen sein.)

IMG_6898.PNGAls Martin von Tours eines Tages vor den Stadttoren einem fast nackten Bettler begegnete, gab er ihm, da er nichts anderes am Körper trug, das er abgeben konnte, die Hälfte seines Mantels, die er mit seinem Schwert abgetrennt hatte. In der auf diese gute Tat folgenden Nacht erschien ihm dann, der Legende zufolge, Jesus Christus im Traum und lobte ihn für seine Mitmenschlichkeit. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Mantelsteilung des heiligen Martin dann im Rheinland, vor allem aus katechetisch-erzieherischen Gründen, in die Reihe der vielen schon bestehenden Martinstags-Bräuche aufgenommen.

Aufbauend auf der guten Mantel-Tat, entwickelten sich mit der Zeit weitere Legenden um Martin von Tours. Eine davon war, dass, als die Bürger von Tours Martin im Jahr 371 zum Bischof ernennen wollten, sich der Erwählte nicht als würdig für diese hohe Aufgabe empfand und in einen Gänsestall flüchtete. Die laut schnatternden Gänse verrieten ihn jedoch und ermöglichten es den Bürgern schnell, den Gesuchten zu finden. So musste Martin die Ernennung zum Bischof doch noch annehmen und das aufmerksame Federvieh stand von nun an für seine Person. Das ist auch der Grund dafür, dass es bis heute ein weit verbreiteter Brauch ist, am Martinstag eine Martinsgans zu verspeisen.

Neben dem Verzehr der traditionellen Martinsgans, wird der Tag des heiligen Martin in Mitteleuropa durch Martinszug und -singen zelebriert. Dieser schöne Brauch ist für uns Kinder des Rheinlandes eine der prägenden Kindheitserinnerungen. Schon Wochen vorher wurden in Grundschulen und Kindergärten Laternen gebastelt und Martinslieder gesungen. Als es dann endlich November, kalt und dunkel wurde, kam der aufregende Nachmittag, an dem man sich auf dem Schulhof versammelte und gespannt auf St. Martin auf seinem Pferd wartete. Nachdem der (Polizei)Martin dann ganz selbstlos seinen Mantel geteilt hatte, zog die Gruppe aus Mamas, Papas und schnatternden und trotzdem andächtigen Kindern los – begleitet von einer Blaskapelle. Gemeinsam ging es durchs Viertel. Alles sang aus vollen Kehlen – Ich geh’ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir. Dort droben leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir. – und wir Kinder konnten es, trotz des schönen Gefühls, das man beim gemeinsamen singen und laufen hatte, kaum abwarten, bis es endlich mit dem Gripschen losging. Irgendwann war es dann so weit. Man zog mit den engsten Freunden, seiner Laterne, einem eingeübten Lied und einer möglichst großen Tüte von Tür zu Tür, gab seine Gesangskünste zum Besten und bekam im Gegenzug leckere Süßigkeiten und Weckmänner. Unsere Kinderseelen waren glücklich und erfüllt.

Aus aktuellem Anlass lohnt es sich noch einmal mehr, auch den Nicht-Rheinländern das Martinsfest nahe zu bringen. In einer Zeit, in der die Menschen gerne wieder zusammen marschieren – jedoch nicht um zu singen, sondern um zu schreien – ist dieses Fest der Mitmenschlichkeit und kindlichen Begeisterungsfähigkeit ein hohes Gut. Lasst uns gemeinsam an das erhebende Gefühl denken, das uns als Kinder durchströmt hat, wenn wir zusammen mit unseren Eltern und Freunden, dick eingemummelt in Schals, Mützen und Jacken, gesungen haben und dabei schon vorab dankbar und voller Vorfreude waren, wenn wir an den uns bevorstehenden Süßigkeitenregen dachten. In Zeiten in denen schreiende, menschenverachtende Steuerhinterzieher Präsidenten von großen Ländern werden können, sollte man vielleicht öfters wieder zusammenrücken um zu singen, zu essen und einen Mann zu ehren, der für menschliches Miteinander steht.

©Luisolo

Rezept für Weckmann, Stutenkerl oder Klausemann

Weckmänner haben Luisolo und mich durch die Kindheit begleitet. Traditionell gibt es am St. Martinstag bei uns eine Tüte voll mit Leckereien und einem Weckmann und wer besonders artig war, hatte bestimmt schon vorher von den Eltern einen in der Bäckerei spendiert bekommen. Das beste daran war, die kleinen Pfeifen aus Gips zu sammeln, die viele Weckmänner bei sich tragen. Wer so eine Pfeife gerade nicht zu Hand hat und sich trotzdem mal an den eigenen Weckmann trauen will, der kann sich, wie wir, auch eine Pfeife aus Pappe dazu basteln!

Für 3 Weckmänner, Schwierigkeitsstufe: 2 von 3


450g Mehl (Typ 550)
15g Hefe
70g Zucker
250ml Milch, lauwarm
25g weiche Butter
1 Ei
1 Prise Salz

1 handvoll Rosinen
2 Eigelb + 1 Schuss Milch

Das Mehl in eine Schüssel füllen, in der Mitte eine Mulde formen, Hefe hineinbröseln, 30g Zucker beigeben und 100ml der lauwarmen Milch hinzufügen. 15 min stehen lassen. Dann den restlichen Zucker und die Milch, das Ei, die Butter und die Prise Salz hinzugeben und alles – am besten per Hand – zu einem Teig vermengen. Dann zugedeckt an einem warmen Ort 60min gehen lassen.

Den aufgegangen Teig in drei Stücke aufteilen und diese vorsichtig zu Kugeln formen (Achtung: Hier wirklich nicht zu viel kneten, weil sonst die glatte Struktur der Oberfläche verloren geht!). Bei jeder Kugel oben einen kleinen Teil zum Kopf formen, einen Schnitt unten für die Beine machen und zwei an den Seiten für die Arme. Alles etwas in die Länge ziehen, sodass ein kleines Männchen entsteht. Rosinen als Augen und Knöpfe in den Teig drücken (Die Gipspfeife wird an dieser Stelle ebenfalls eingedrückt. Wer auf die Papppfeife ausweichen muss: erst nach dem Backen dazulegen!)

Die Eigelb mit der Milch vermischen und die Weckmänner damit besteichen. Erneut 15min zugedeckt aufgehen lassen. Ein zweites Mal mit dem Eigelb besteichen und dann im vorgeheizten Backofen bei 200°C 20min backen.

Tipp: Wer es im Nachhinein noch etwas süßer mag, kann mit Puderzucker und einem Schuss Wasser eine Glasur anrühren. Dann einfach den Weckmann damit bestreichen und mit gerösteten Madelblättchen bestreuen!

©Anussis

1 Kommentar

  1. Ach ja, St.Martin – schön , daran mal wieder erinnert zu werden! Ich werde immer ganz wehmütig, wenn ich den Laternenzug mit singenden Kindern im Viertel sehe…

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