Touch of Language und Soufflé au fromage

„All fools know that a touch of fancy language can make any stupidity shine.“
Colum McCann

Liest man es das erste Mal, klingt das Zitat aus Colum McCanns „Thirteen Ways of Looking“ eher wie die Abwertung der Sprache. Sprache als Leere Hülle, als Trugschluss, als Lüge? Sprache als Möglichkeit allem, egal wie nichtig und dumm es ist, einen schönen Schein zu verleihen? Ja, die Sprache hat diese Seite. Doch so wie jedes mächtige Ding unserer Welt, hat sie zwei Seiten.

Die Macht von Worten bekommen wir alle jeden Tag mehrfach zu spüren – wenn auch meistens ohne, dass es uns bewusst ist. Ob von der Werbung, der Presse, Büchern oder vom direkten Umgang mit anderen Menschen, wir alle lassen uns tagtäglich in unseren Entscheidungen beeinflussen – durch Worte. Philadelphia Frischkäse ist besonders „cremig“? Ab in den Einkaufswagen damit. Der Messerstecher von Würzburg war ein „Flüchtling“? „Flüchtling“ geht in unseren Köpfen ab jetzt indirekt mit dem Wort „Messerstecher“ einher. Udo Lindenberg ist laut Stuckrad-Barre ein ziemlich „cooler Typ“? Plötzlich finde ich ihn ganz schön sympathisch. Die beste Freundin sagt, sie findet rote Stiefel „nuttig“? Vielleicht sollte ich mir nochmal überlegen, ob ich die neuen „roten Over-Knees“ nicht doch noch zurückbringe.

Jeden Tag werden Abermilliarden von Worten auf die Welt losgelassen und wir nehmen sie nur in Ausnahmefällen überhaupt wahr. Sprechen gehört für die meisten von uns zum Leben dazu wie Atmen, Essen, Trinken oder Schlafen. Und genauso unbedacht und selbstverständlich springen wir auch mit Worten um. Doch was genau können Worte bewirken? Wie können wir Worte missbrauchen, wie Gutes mit ihnen erreichen?

Man muss im Moment nicht einmal die Bequemlichkeit des eigenen Zuhauses verlassen, um zu beobachten, wie man mit Worten Hass schüren kann. Es reichen ein PC und funktionierendes Internet. Fanatismus und Rassismus haben, egal ob öffentlich auf den Straßen oder in der Anonymität des World Wide Web, ihren Schrecken verloren. Und was ist der allgemeine Treibstoff, der allen endlos zur Verfügung steht? Worte. Es wird von allen Seiten gelogen, um die eigenen Ziele zu erreichen und wir als Gesellschaft stehen zwischen den Fronten. Apropos Gesellschaft, wäre das gesellschaftliche Klassendenken möglich ohne Worte, die die Gruppen und Abstufungen definieren? Und auch im direkten Umgang mit den Mitmenschen sind überall auf der Welt Worte die Waffe für Verletzungen, die man nur schwer wieder heilen kann.

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Doch die Macht der Worte hat zwei Gesichter. Oft sind Worte auch Samen und Nährboden für die schönsten Dinge des Lebens. Wie teilt man Menschen seine Liebe mit? Durch Worte. Das unscheinbare Wort „Ja“ vor dem Altar ist der Anfang eines neuen, gemeinsamen Lebens. Kleine Worte aus der Heimat – für uns z.B. uselig – lösen warme Gefühle der Geborgen- und Zugehörigkeit aus. Genauso können Worte wie Sand, Meer und Strand ein angenehm unangenehmes Fernweh verursachen. Was wären wir, ohne die identitätsstiftende Kraft von Namen? Auch die Musik hätte nur die Hälfte ihrer Schönheit ohne ihr zugehörige Texte und Stimmen, die diese dann singen können. Und zu guter Letzt, dunkles Geschwisterkind des Hass Schürens, sind Worte die Hauptquelle der Inspiration im Leben. Ein Wort hängt nur Sekunden in der Luft und hinterlässt trotzdem Spuren für die Ewigkeit.

Die Texte die ihr hier lest, die Bilder, die ihr euch anschaut und die Gerichte, die ihr nachkocht, entstehen aus dem Wechselspiel der Inspiration durch Worte. Vielleicht versucht ihr in Zukunft auch mal, euch die Macht der Worte bewusster zu machen und seid an jeder Ecke, zu jeder Stunde bereit, euch von einem kleinen Wort inspirieren zu lassen? Fangt mit Anussis‘ Soufflé an – ein schönes Wort, ein leckeres Gericht. Schaut dabei zu, wie der Pfau der Küchen sich vor euren Augen aufbauscht, um dann ganz schnell wieder in sich zusammenzufallen. So, als wäre nie etwas gewesen.

©Luisolo

Soufflé au fromage

Drei Wörter und man träumt sich sofort nach Frankreich, ins Land der Haute Cuisine, des guten Geschmacks und der nie endenden Käsetheken. Vielleicht schreckt man vor der Herausforderung, die man aus dem Namen meint lesen zu können, zurück. Dabei braucht es für ein Käse-Soufflé nicht viel mehr als Butter, Eier, Mehl, Milch und Käse. Ein Rezept, das sich mächtig aufplustert, im wahrsten Sinne des Wortes . Aber das zu Recht, wie ich finde, denn nie hat Luft so gut geschmeckt!  

Für 2 Personen, Schwierigkeitsstufe: 2 von 3

20g Butter

20g Mehl

120ml Milch

60g Comté + ein wenig mehr zum bestreuen am Ende

2 Eigelb

3 Eiweiß

Salz, weißer Pfeffer, geriebene Muskatnuss

Den Backofen auf 180°C vorheizen. Die Soufflé-Formen von innen buttern und mit Mehl bestreuen. Den Comté fein reiben.

Die Butter bei niedriger Temperatur in einem Topf schmelzen, dann das Mehl hinzufügen und ca. 3 min unter Rühren kochen lassen. Vom Herd nehmen, die kalte Milch hinzu geben und mit der Mehlschwitze verrühren. Dann wieder auf den Herd stellen und bei voller Temperatur aufkochen lassen, bis die Masse andickt (voilà, hier haben wir eine Béchamel!). Die Sauce mit Salz, weißem Pfeffer und Muskatnuss würzen und etwas abkühlen lassen. Dann die Eigelb und den geriebenen Käse unterrühren.

Das Eiweiß steif schlagen. Die Hälfte unterrühren, sodass die Masse etwas auflockert, die andere Hälfte danach vorsichtig unterheben.

Die Soufflé-Formen mit der Masse befüllen, dabei einen Rand von etwa 1 cm frei lassen. Mit dem übrigem Comté bestreuen. Die Formen in den Ofen geben und 15 min backen (währenddessen den Ofen nicht öffnen).

Die Soufflés sollten, sobald sie aus dem Ofen kommen, schnell serviert werden, denn das luftige Käsetörtchen fällt schnell wieder in sich zusammen. Also direkt verzehren und staunen, was mit ein bisschen Milch, Eiern und Käse so alles möglich ist!

©Anussis

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