Sehnsucht und Spaghetti Carbonara

Wenn man genau hinhört und aufmerksam hinschaut, ist Deutsch eine sehr schöne Sprache. Mein absolutes Lieblingswort ist die „Sehnsucht“. Das Wort klingt nach einem Blick aufs Meer. Einem Blick in die Ferne. Einem Blick über weite, grüne Hügel. Oder einem Blick in sein eigenes Innerstes – auf die eigene Seele.

img_0468Der Ort unserer Sehnsucht oder eher der Ort, an dem wir unserer Sehnsucht gegenübergetreten sind, ist Eraclea Mare an der Adriaküste in Italien. Diesen Sommer sind Anussis und ich, Luisolo, in diesen kleinen zauberhaften Ort gefahren, um uns ein paar Tage von der Schnelligkeit der Großstadt zu erholen. Zwar hat Eraclea wenig von der malerischen Idealvorstellung, die wir Deutschen von Italiens Küstenorten haben, jedoch wurden wir sofort in den Bann der kleinen, geschäftigen, aber trotzdem ruhigen Urlauberhochburg gezogen. Und warum? Uns wurde alles gegeben, wonach wir uns im lauten und zu dieser Zeit bedrückenden München gesehnt hatten: eine Möglichkeit abzuschalten, Menschen, die sich in den Tag treiben ließen, gutes Essen und Trinken und vor allem das Meer.

Vier lange Tage haben wir in der Sonne am Strand verbracht, gegessen, getrunken, Kreuzworträtsel gelöst, gelesen und aufs weite Meer geblickt. Geschwommen sind wir natürlich auch. Am zweiten Tag im Meer kam Ahorn angeschwommen und seitdem begleitet er uns bei unseren Abenteuern. Am dritten Tag waren wir alle drei so entspannt und selig, dass wir es uns erlaubten, unsere Gedanken zurück nach München, zurück zu unserem eigentlichen Leben schweifen zu lassen. Unsere Sehnsucht nach dem Meer konnten wir so leicht stillen, sollte das auch in anderen Lebensbereichen möglich sein? Anussis’ Leidenschaft, das Kochen, war schon lange nicht mehr nur eine Liebe zu gutem Essen, sondern inzwischen zu einem Beruf geworden. Meine Leidenschaft für Bücher hatte ich drei lange Jahre mit einem Studium und der gerade erst beendeten Bachelorarbeit universitär ausleben können. Und trotzdem fehlte uns beiden irgendwas. Wir sehnten uns nach etwas. Nach einer Möglichkeit, unsere Leidenschaften wirklich ausleben, unsere Sehnsüchte erfüllen zu können.

Kreativität ist ein tückisches Ding. Es muss etwas in einem selber passieren und doch darf man sich nicht abschotten. Die Außenwelt wirkt auf das Innere, sowie man am Ende des Prozesses aus seinem Inneren nach außen rufen möchte. Woher nimmt man den Antrieb dazu, kreativ zu sein, wenn man so in seinem alltäglichen Trott gefangen ist? Wie kann man dem ewigen Lebensgleichklang entfliehen, ohne nach Eraclea ans Meer fahren zu müssen? Vielleicht machen wir was zusammen, haben wir uns gedacht, und angefangen, mit unseren Ideen, Fähigkeiten und Leidenschaften herumzuspielen. Wie alles miteinander vereinen?

Vier Monate später sind wir nun an diesem Punkt hier angekommen. Infinite appetite erblickt das Licht der Welt. Pünktlich zur kalten, dunklen und einsamen Jahreszeit beginnen wir mit einem neuen Projekt. Wir bringen die Wärme der Freundschaft, das Licht von bewohnten Küchen, die Ruhe des Lesens und Bilder Betrachtens und die Geselligkeit des gemeinsamen Essens in eure Wohnungen und euer Leben.

Im Sommer in München haben wir uns nach der Sonne Italiens gesehnt und in der Sonne Italiens wurde unsere Sehnsucht nach einem kreativen Ventil im trüben Alltag immer größer. Jetzt sind wir wieder im Winter in München, haben solch ein Ventil gefunden und trotzdem sehnen wir uns wieder, während die Tage dunkler werden, nach der Wärme des Münchner Sommers und der Adriaküste. Wir wollen in Zukunft aus dieser Sehnsucht Kraft schöpfen, anstatt uns nur zu beschweren. Begleitet uns auf der Reise, die die Sehnsucht, egal nach was, mit sich bringt. Eine Reise ohne Ende, denn beinhaltet der Begriff Sehnsucht nicht eine gewisse Ausweglosigkeit? Auf der anderen Seite: will man überhaupt, dass es aufhört? Sommer-Winter, Licht-Dunkelheit, Wärme-Kälte… wenn man diesen Kreislauf verlässt, dann verlässt man auch den Vorwärtsdrang des Lebens.

©Luisolo

Spaghetti Carbonara

Wenn wir uns nach Eracleas Ruhe verzehren, darf Spaghetti Carbonara nicht fehlen. Vielleicht können wir damit auch eure Sehnsucht wecken?

Für 2 Portionen

250g Spaghetti no°5, 2 Eier, 60g Parmesan (gerieben), 30ml Sahne, ½ Knoblauchzehe (gerieben), 150g Speckwürfel, 1 kleine Zwiebel

Salz, frisch gemahlener Pfeffer, Ggf. Petersilie

Die Spaghetti nach Packungsanweisung in einem großen Topf mit gesalzenem Wasser al dente kochen. Die Zwiebel schälen und in kleine Würfel schneiden. Den Speck in einer Pfanne bei mittlerer Hitze anbraten. Kurz bevor er durchgebraten ist, die Zwiebeln hinzufügen und mit andünsten, bis sie glasig sind. Die zwei Eier verquirlen und mit der Sahne, der geriebenen Knoblauchzehe und dem Parmesan vermischen. Mit Pfeffer und einer Prise Salz würzen (Vorsicht beim Salz: durch den Parmesan und den Speck wird die Pasta schon recht salzig, also lieber etwas weniger dran tun, als das Gefühl sagt). Spaghetti abgießen und dabei einen Teil des Kochwassers auffangen. Pasta zurück in den warmen (aber nicht auf dem heißen Herd stehenden!) Topf füllen und sofort den Eier-Parmesan-Mix, Speck und Zwiebeln, als auch ca. 20ml des Kochwassers dazu geben. Alles gut miteinander vermischen, bis jede einzelne Nudel von der leckeren Soße ummantelt ist. Gegebenenfalls noch mit gehackter Petersilie bestreuen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und fertig ist die Wohlfühl-Pasta, mit der man sich in eine kleine Trattoria an der Adriaküste träumen kann.

Vegetarische Variante: Statt der Baconwürfel schmeckt die Pasta auch mit karamellisierten Zwiebeln super. Ich nehme dafür gerne Tropeazwiebeln, da sie sehr besonders im Geschmack sind, man kann aber auch problemlos herkömmliche Zwiebeln nehmen. Einfach 2 Zwiebeln in Ringe schneiden und mit einem Schuss Wasser, einem TL Butter, einer Prise Salz und einer Prise Zucker in einer Pfanne bei mittlerer Hitze dünsten. Sobald das Wasser verkocht ist, wird aus der Butter und dem Zucker ein Karamell, in dem man die Zwiebeln schwenken kann.

©Anussis

 

 

 

1 Kommentar

  1. Nur, wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide…
    Ich kopiere Euch mal gleich das ganze Goethe-Gedicht aus Wilhelm Meister:
    Nur wer die Sehnsucht kennt,
    Weiß, was ich leide!
    Allein und abgetrennt
    Von aller Freude,
    Seh‘ ich an’s Firmament
    Nach jener Seite.
    Ach! der mich liebt und kennt,
    Ist in der Weite.
    Es schwindelt mir, es brennt.
    Mein Eingeweide.
    Nur wer die Sehnsucht kennt,
    Weiß, was ich leide!

    Wenn ich Euren Blog lese, bekomme ich Sehnsucht nach Spaghetti nach Art der Köhlersfrau! – Aber mal Romantik beiseite! Ein Rezept für Carbonara ins Netz zu stellen, ist wirklich eine aufklärerische Handlung. Die meisten Leute glauben nämlich Spaghetti Carbonara sei Nudeln mit Schinken-Sahnesoße.

    Übrigens: bei mir werden die Zwiebeln mit etwas Sekt abgelöscht, der aber dann gut verkocht wird. und statt ganzer Eier nehme ich meistens nur Ei-Dotter.

    Bin schon gespannt auf die nächste MAHLZEIT!

    Gruß Udo

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